Podcast: Paartherapie mit der SystemEmpowering-Methode

liebevoll verfasst von 
Florian
veröffentlicht am 7. Mai 2021 in der Kategorie ,
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Unsere Methode - das SystemEmpowering

Du möchtest mehr über unsere Coaching-Methode erfahren? Dann bist du hier genau richtig. Denn heute geht es genau darum - ums SystemEmpowering.

Für diese Folge haben wir zwei besondere Gäste da, Dieter und Jan, die wir im Hanseatischen Institut durch unsere Coaching-Ausbildung kennengelernt haben.

Unter anderem unterhalten wir uns darüber, warum das SystemEmpowering so gut in die Arbeit mit Paaren passt.

Außerdem tauschen wir uns aus, warum die Methode so erfolgreich in der Paarberatung ist und wie Paare die Coachings wahrnehmen.

Viele haben gegenüber einer Paartherapie einige Vorurteile und stellen sich die Beratung sehr unangenehm vor.

Beispielsweise werden sich häufig Sorgen darüber gemacht, dass der Paartherapeut einen beurteilen könnte oder einem selbst die ganze Schuld zugewiesen wird.

Deshalb möchten wir euch heute zeigen, dass wir beim Empowering eine ganz andere Herangehensweise haben. Hör uns gerne zu, wenn du diese kennenlernen möchtest. Viel Spaß!

In einem Coaching können neben der SystemEmpowering Methode noch viele weitere Ansätze genutzt werden. Diese stellen wir euch in unserem Beitrag zu den Coaching-Methoden genauer vor.

Unterhalb findet ihr das Transkript dieser Folge.

Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge der Lebensidealisten. Mein Name ist Florian, ich bin Ina, wir sind Paartherapeuten und Coaches aus Neumünster und helfen euch raus aus der Krise hinein in eine harmonische und glückliche Beziehung. Heute wollen wir mal unsere Methodik näher beleuchten und mit euch gemeinsam schauen, warum SystemEmpowering als Methodik für Paartherapie super geeignet ist und warum euch das hilft aus der Krise herauszukommen. Dafür wollen wir gerne Dieter und Jan bei uns begrüßen. Hallo, mein Name ist Dieter. Hi, ich bin Jan. Die beiden sind vom Hanseatischen Institut, dort wo wir unsere Ausbildung gemacht haben. Vielleicht machen wir es auch einfach so, dass ihr euch mal vorstellt. Also warum „auch“? Wir haben gerade schon einen Podcast für Euren Kanal gemacht, deswegen „auch“. Stellt euch doch gerne mal vor. Wer seid ihr? Was macht ihr?

Ich bin Dieter und ich bin immer überlegen, was ich dann so erzähle beim Vorstellen. Also wenn ich so meine Geschichte angucke, ich bin auf dem Bauernhof groß geworden, habe dann Physik studiert, dann promoviert. Aber ich habe dann festgestellt, dass ist doch nicht so ganz mein Ding. Ich habe dann angefangen meine eigenen Themen zu bearbeiten, also Konflikte in der Beziehung, aber auch eigene Themen wie Ängste abarbeiten. Dazu habe ich NP gelernt und viele andere Sachen (Aufstellungsarbeit, Supervision, …) und habe dann immer alles auf mich selbst angewendet und geguckt, was hilft mir und was hilft nicht. Die Sachen, die mir geholfen haben, habe ich weiterentwickelt. Irgendwann ist dann das SystemEmpowering daraus entstanden.
Dieter
Mein Name ist Jan. Ich bin hauptberuflich noch Marineoffizier und habe Dieter vor fünfeinhalb Jahren über einen Freund kennengelernt, der auch hier gearbeitet hat im Hanseatischen Institut. Ich habe damals im Rahmen einer Offizierausbildung Psychologie studiert. Während des Studiums habe ich schon sehr mit dem Gedanken geliebäugelt nach meiner Bundeswehrzeit Psychotherapeut zu werden. Das wollte ich auch vor der Bundeswehr schon, nun hat das mit dem NC und so nicht geklappt, da ich in Amerika zur Schule gegangen bin und kein vergleichbares Abitur aufweisen konnte und das hab eigentlich nur Probleme. Deswegen habe ich mich dann für die Bundeswehr entschieden, weil ich auch aus einer Soldatenfamilie komme. Dann während des Studiums habe ich wie gesagt Dieter kennengelernt und eine Methode oder ein Berufsfeld kennenlernen dürfen, für die man nicht nochmal nach dem Studium jahrelang in die Ausbildung gehen kann, um dann dieser Tätigkeit nachzukommen. Sondern ich konnte quasi neben meinem Studium die Ausbildung machen und dann währenddessen schon Coachings geben und mich in Mediation beüben. Mittlerweile arbeite ich nebenberuflich im Hanseatischen Institut als Coach und Mediator und langfristig ist das auch mein Ziel das zu meinem Hauptberuf machen zu können.
Jan

Warum ist die SystemEmpowering Methode für die Paartherapie geeignet?

Schön, dass ihr beiden heute da seid, das freut uns. Dieter ist da nun unser Ausbilder, dass ist sehr spannend seine Sicht mal zu sehen. Also Dieter, deswegen starten wir gleich bei unserer ersten Frage. Warum glaubst du ist SystemEmpowering besonders so im Bereich „Arbeit mit Paaren“ so erfolgreich? Also warum klappt das so gut?

Warum? Das ist in vielen Bereichen sinnvoll anzuwenden. Also ich sag‘mal so meine Geschichte. Also Konflikte in Partnerschaften, egal ob es jetzt privat ist oder beruflich, habe ich damals so gelernt: Konflikte sind verunglückte Wünsche. Ich habe dann so das Eisbergmodell gesehen, Sachebene und Beziehungsebene. Ich habe dann festgestellt, mit diesen Methoden kann man nicht grundlegende Konflikte auflösen. 

Deswegen habe ich dann irgendwann gesagt, dann macht es Sinn noch eine dritte Ebene zunehmen, die Systemgesetzesebene, wo es eben um Anerkennung geht, wo es um Zugehörigkeit geht, wo es einfach um Grundbedürfnisse geht, die einfach gebraucht werden. Wenn man diese Konfliktursachen erstmal rausfindet und auflöst, also sich wirklich auf das Fundament konzentriert (nämlich wo hat sich jemand ausgeschlossen gefühlt, wo hat sich jemand nicht respektiert gefühlt, wo war es ungerecht, was ja in jeder Partnerschaft irgendwo passiert), dann ist man gleich an der Ursache. Alles andere, wenn ich mich nur um Verhalten kümmere, wenn ich nur sage „wir müssen anders kommunizieren“, dann das wünschen, sachlich probieren irgendwelche Lösungen zu finden, dann ist man nicht an der Ursache / nicht am Fundament. Wenn man das Fundament nicht hat, dann kann man keine Beziehung darauf aufbauen. Deswegen war oder ist es so erfolgreich, weil wir immer an die Ursache gehen. Letztendlich Systemgesetze – so nennen wir die ja – nutzen. Und SystemEmpowering heißt eben auch, wir haben eine Methode. Wie kann man dieses Fundament, wenn es Risse kriegt, wieder heile kriegen?

Der weitere Punkt ist auch alles Erfahrungssache, die ich so ausprobiert habe, dass man Konflikte in Partnerschaften nicht in der Gegenwart auflösen kann. Also wenn da solche Sachen sind wie Wut oder verletzte Gefühle / Ängste, dann kann man in der Gegenwart nicht sagen „wie wollt ihr jetzt miteinander umgehen oder was ist euer Problem?“. Das würde dann höchstens eskalieren oder die Leute rennen dann raus und gehen. Was auch nicht wirklich funktioniert ist von da aus in die Zukunft zu gucken und zu sagen „wie wollen wir miteinander umgehen?“. Das haben vielleicht einige schon in Teamentwicklungsprozessen mitgemacht. Da freuen sich alle, weil jeder den gleichen Wunsch hat: Vertrauen und Offenheit und so weiter. Aber wird leider dann nicht umgesetzt, umso schlimmer ist es dann. Also was es eben auch erfolgreich macht ist, dass wir immer lösungsorientiert in die Vergangenheit gehen, nämlich zu dem Punkt wo es mal gut war oder gut genug. Also wirklich raus aus diesem Leid und schlechten Gefühlen. 

Bei einer Partnerschaft fragen wir zum Beispiel beim Kennenlernen: War es da mal gut? Die meisten würden sagen „ja“. Ist auch nicht immer gegeben, aber viele sagen dann beim Kennenlernen war es gut. Außer wenn die schon in einer Partnerschaft waren, haben sich dann während der Partnerschaft schon kennengelernt und da war es auch schon nicht gut. 

Aber das sind so die zwei Hauptsachen: Wir gehen immer dahin, wo es mal gut war, und starten von da aus. Wo war dann die erste Sache, dass das Fundament einen Knacks gekriegt hat? Und das zweite ist, wir kümmern uns erstmal um das Fundament. Wenn das Fundament wieder heile ist, dann gucken wir uns die Beziehung an, die Sachebene, und klären die Sachen auf Verhaltensebene, was dann gebraucht wird.

Wie reagieren Menschen und Paare auf die SystemEmpowering Methode?

Viele Menschen haben ja immer noch der Paartherapie / dem Paarcoaching gegenüber so Klischees im Kopf bzw. Glaubenssätze, dass sie zum Beispiel denken „okay, da sitzt jetzt eine dritte Person und die beurteilt das“ und „dann werde ich sowieso wieder der Schuldige sein“ oder dass sie auch denken, dass da irgendwelche ganz abstrusen Körperübungen gemacht werden und dass sie sich einfach nicht wohlfühlen. Wie ist so deine Erfahrung, wie Menschen sowie Paare auf SystemEmpowering reagieren, wenn sie so merken, da sind andere Grundsätze im Vordergrund?

Das, was so als Feedback kommt, ist, dass sie sagen, das gab es in der Paartherapie oder Paarberatung oder wo die waren, einfach nicht. Es gab nicht den Blick aufs Fundament, auf diese Grundlagen. Auch nicht diesen Blick dahin: Wo was noch gut? Also die einen berichten eher, da geht es eher darum neues Verhalten zu lernen, dass man seine Wünsche besser ausspricht, dass man sagt „wir müssen uns Termine machen“, so eher auf Verhaltensebene. Was ja auch sinnvoll ist. Nur wenn es auf der Fundamentebene Probleme gibt, dann reicht das nicht aus. Bei anderen ist es auch so, dass sie sagen gerade bei der Therapie, dass die oft ins Leid schon zurückgehen, aber ins Leid gehen. Dann wird gefragt „wo hast du das schon mal erlebt?“ oder „wie ist es vielleicht in deiner eigenen Ursprungsfamilie?“. Dann hängen die eher im Leid drin und unser Ziel ist ja immer Leid zu vermeiden. Das sind so die beiden Hauptsachen, wo die Leute dann sagen „das ist der große Unterschied“.

Wie kann man emotionale Verletzungen lösen, ohne zu leiden?

Das finde ich einen sehr spannenden Punkt: Leid vermeiden in Kombination mit viel Wirkung und nachhaltig Wirkung machen. Vielleicht kannst du greifbar machen, was es heißt Leid zu vermeiden? Also wie kann ich denn eine Verletzung lösen, ohne dass ich dabei leide, also das Leid gehe? Was ist der Unterschied?

Erstmal so: Was heißt Leid? Leid heißt für mich, wenn jemand sich schlecht fühlt (zum Beispiel Angst hat, Bauchweh hat, in der Trauer hängt oder voller Wut steckt, die aber nicht los wird). Das heißt für mich letztendlich Leid. Leid vermeiden heißt eben: Nehmen wir mal an Frau oder Mann ist fremdgegangen. Die Person findet das raus, hat das vorher nicht geahnt und fühlt sich total schlecht, es drängt die Person ins Leid. Wenn ich die jetzt da wieder reinschicke, weil ich sage „jetzt erinnere dich mal an diesem Tag, wie war es denn da“, dann wird die Person sich genauso schlecht fühlen wie es wie es vorher war. 

Leid vermeiden heißt für uns letztendlich die Personen dahin zu schicken, wo es noch gut war. Wenn die jetzt sagen würde „in der Partnerschaft war es mal gut, so haben wir uns kennengelernt“, dann bringen wir sie davor, dann ist sie nicht mehr im Leid. Von da aus fangen wir an zu gucken: Wo gab es die erste Kleinigkeit, wo die Eskalation dann anfing? Wenn eine Person in der Partnerschaft fremdgeht, passiert das ja nicht „bis dahin war alles gut und auf einmal macht es bumm“, sondern es ist ja schleichend irgendwie schlechter geworden. Das kann sein, wenn zum Beispiel ein Kind dazu kommt. Das erste Kind, das zweite Kind, das die Partnerschaft dann auf Probe gestellt wird, das neue System sich zurecht ruckeln muss. Wenn, mal angenommen, die Frau sich ganz doll ums Kind kümmert und der Mann fühlt sich da irgendwie ausgeschlossen und nicht mehr genügend gesehen oder so, dann fangen da die ersten Sachen an, so dass die sich auseinanderbewegen. Dann kann es dazu führen, dass der Mann sich irgendwie vielleicht mal eine neue Frau sucht, weil er aber vorher selbst verletzt wurde. Also das ist dann im Prinzip eine Eskalationsschleife. Nicht ins Leid zu gehen heißt für uns immer erstmal dahin zu gehen, wo es gut war. 

Typischerweise sind die ersten Kleinigkeiten gar nicht so starke Gefühlsregungen, sondern eher weniger Leid, sowas wie unausgesprochene Erwartungen. Wir gehen immer davon aus, dass so eine erste Sache, die passiert, passiert ohne Absicht. 

Ein typisches Beispiel für den Beginn einer Konfliktspirale

Ein typisches Beispiel: Der Mann, bevor er mit seiner Freundin oder Frau zusammenkommt, ist immer nach Sankt Pauli vom Fußball, jeden Samstag oder jeden zweiten Samstag. Er kommt mit seiner Freundin zusammen und sagt „nächstes Mal sind die Kumpels wieder da, ich gehe hin“. Sie wird dann vielleicht in dem Moment ganz kurz so einen Stich fühlen, also denkt „wieso, wir sind doch jetzt das Paar“, aber dann selbst sofort der Kopf ein und sagt „nein, die waren ja viel früher da und wir können ja nicht nur alles zusammen machen, also da muss er schon hingehen“. Trotzdem war es ein ganz kurzer Moment, wo das Fundament einen Knacks gekriegt hat. Weil sie dann aber sofort denkt „das muss er machen“ ist das normalerweise gleich wieder zugedeckelt. Das kann aber sein, dass in der Woche drauf die Freundin dem Freund sagt „ich hab mich jetzt für Freitagabend mit meinen Freundinnen verabredet“. Das macht dann bei dem Freund vielleicht zum ersten Mal so ein komisches Gefühl. Das sind so die typischen Sachen, wo das anfängt in der Partnerschaft, dass die das gar nicht merken. Es passiert ohne Absicht und trotzdem hängt es drin. Dann fängt das an irgendwie weiter zu eskalieren. 

Leid vermeiden heißt eben auch, dass die das Handwerkszeug lernen: Wie kann man solche Sachen auflösen? Wenn ich mich dann entschuldige, funktioniert nicht, es erzeugt höchstens mehr Leid. Also wir haben schon oft Leute gehabt, die haben gesagt „haben wir schon probiert, ich habe mich schon hundertmal entschuldigt, hat trotzdem nicht funktioniert“. Also da geht es auch darum das sprachlich richtig zu machen. 

  • Die Auflösung ist dann, wenn die bei uns wären oder bei euch, zu sagen: Wo war es noch gut? Dass beide das Gefühl haben „da ist es noch gut“. 
  • Und dann geht man mit dem guten Gefühl von da aus los und sagt: Wann war das allererste Mal wo es nicht mehr so richtig gut war? Dann kann es eben sein, dass das die Frau sagt „das war eine Kleinigkeit, aber wo du gesagt hast, du gehst mit deinen Kumpels zum Fußball, da hat so ein ganz bisschen bei mir ein schlechtes Gefühl gemacht“.
  • Dann gucken wir immer, da sind wir beim Leid (weil dann sagt die Frau ja zum Beispiel das hat so ein bisschen gepikst oder ich war ein bisschen traurig), dann kann der Mann sagen, dass ist auch das Normale was dann passiert, dass er sagt „das war nicht meine Absicht, das wollte ich nicht und hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich mich anders verhalten“. 
  • Wir überprüfen dann immer: Glaubt die Frau ihm das? War es das allererste Mal, wird sie normalerweise sagen „klar, glaube ich dir“.
  • Dann löst sich dieses schlechte Gefühl auf. Wenn er dann auch noch sagen kann „du bist zu recht wütend auf mich, her damit“, löst sich die Wut auch noch auf.
  • So lösen wir das erste kleine Leid auf und von da aus gehen wir weiter und sagen „okay, wenn dieses erste Leid aufgelöst ist bei der Frau, hätte die dann zurück verletzt?“. Dann sagt sie normalerweise „nein, dann hätte ich an dem Freitagabend auch nicht einfach gesagt ich gehe mit meinen Freundinnen los“. Wenn beide sich das vorstellen können, dann kann man da die Verletzung bei dem Mann auflösen, weil da haben sich ja nur die Rollen getauscht.

Welche Wirkung entfaltet die SystemEmpowering Methode bei Paaren?

Das berichten auch viele Paare immer, dass sie das als eine Art Erleichterung empfinden, einmal diesen Stein gefunden zu haben, der alles ins Rollen gebracht hat. Das ist ja auch in der Methodik das Besondere, das es ja lösungsorientiert, aber auch rational ist in dem Sinne, dass man sehen kann „wann war es mal gut?“ und von da nach vorne geht. Viele Paare sagen dann „okay, wie du schon sagst, es ist ja in positiver Absicht, also gar nicht bewusst häufig, dass wir den anderen verletzen“. Gerade wenn der andere das auch nicht ausspricht und mir keine Rückmeldung gibt „Mensch, das hat mich verletzt“, bleibt das häufig so stehen, dass keiner das weiß. Wenn dann rückblickend geguckt wird und gesagt wird „okay, das hat also jetzt unsere Konfliktspirale so in Gang gesetzt und wir sehen am Ende ja nur die Wirkung“, ist das manchmal auch eine Erleichterung, wenn man so die Geschichte überblicken kann.

Das ist dann so wie Dominosteine, wo ist der erste Dominostein umgefallen? Dann kann man sich vorstellen, wenn man nicht den ersten Dominostein findet, sondern irgendwo zwischendrin probiert den Dominostein wieder hinzustellen, kommen ja alle Dominosteine, die schon umgefallen sind, und hauen das wieder um.

Ein Beispiel für das Verständnis, das man durch die Methode aufbauen kann

Ein wichtiger Aspekt aus meiner eigenen Arbeit finde ich, der auch Paare betrifft, ist: Man löst ja auch Sachen auf, die nicht unbedingt in der eigenen Partnerschaft oder in der aktuellen Partnerschaft entstanden sind. Sondern man guckt eventuell auch auf andere vergangene Partnerschaften, die man hatte, wo man vielleicht Lasten mitgenommen hat oder Verletzungen mit in die neue Beziehung reingebracht hat. Das habe ich am eigenen Leib erfahren dürfen. Das war auch so eine Sache, wo ich gedacht habe „boah, das war eigentlich in dem Moment so belanglos“, dass ich da erst ein paar Jahre später drauf gekommen bin, dass das tatsächlich ein Auslöser war, wie so ein Schmetterling, der seine Flügel geschlagen hat und dann zwei Jahre später ist eine Bombe explodiert aufgrund dessen.

Das war, als ich meine Ex-Partnerin kennengelernt habe, in den ersten paar Wochen des Kennenlernens mit der rosaroten Brille auf. Da war ich noch im Studium, hatte noch eineinhalb Jahre Studium und danach war das so: Ich wusste noch nicht, wo der Weg für mich hingeht bei der Marine, ob es jetzt die Seefahrt wird, ob es jetzt doch eine Landdienststelle wird oder sowas. Also von bis, und das bedeutet natürlich auch Abwesenheitszeiten von bis. Das ist natürlich nicht so schön für eine Beziehung und da möchte man ja am Anfang wissen, worauf man sich da einlässt. Wir haben uns ein Eis geholt und auf dem Weg nach Hause beim Spazieren hat sie mich gefragt: „Was ist denn jetzt nach dem Studium? Was stellst du dir vor?“. Ich habe gesagt: „Weiß ich nicht, ich kann mir vorstellen zur See zu fahren, ich kann mir vorstellen irgendwo eine Landdienststelle zu haben, ich kann mir vorstellen mit dem Gewehr durch die Heide zu laufen, keine Ahnung“. – „Ja, was heißt denn das und wie lange bist du da weg?“ – „Naja, wenn ich auf Einheit zur See fahre, kann das schon mal 200 Tage plus im Jahr sein im worst case, wenn ich jetzt eine Landdienststelle habe, dann bin ich halt irgendwo fest und muss eventuell pendeln, kann aber auch in Köln sein.“ Ich habe das halt relativ locker gesagt, weil ich da noch nicht den Wert erkannt habe hinter dieser Frage, weil das war ja noch eineinhalb Jahre in der Zukunft. Naja und dann hat sie erwidert „stimmt, ist ja auch noch ein bisschen hin, wer weiß ob wir uns da überhaupt noch kennen“. 

Da dachte ich mir so im ersten Moment „okay, komisch“, aber hat mich schon irgendwie ein bisschen verletzt in dem Moment. In dem Moment nicht so groß, aber dann denkt man natürlich darüber nach. Ich hab es irgendwann abgehakt, aber losgelassen hat mich das dann nicht, bis ich in die nächste Beziehung gekommen. Dort habe ich gemerkt: Irgendwie ist da was, was mich hindert mich hier voll zu entfalten. Das ist genau dieses Ding, das ist man zurückgegangen auf der Zeitlinie, bis zu diesem Punkt. Ich dachte immer, dass ich der Verletzte wäre, also der Ursprungsverletzte. Aber ich war der, der die erste Verletzung verursacht hat. 

Du hast für dich in positiver Absicht gehandelt „erzähl mir alle Variationen, die in deinem Kopf drin sind, such‘ dir eine aus“. Ja, genau ganz locker flockig an einem schönen Sommertag und dann einfach erzählt, ohne zu wissen, was das auslöst. Denn das ist ja die Sache: Ich kenne ja das System, ich weiß was da auf mich zukommen könnte. In dem Moment muss ich auch zugeben war das ein Lifestyle, den ich auch sehr begrüßt habe, weil das natürlich aufregend ist als junger Mensch einmal durch die Welt zu schippern. Ich habe das immer so betrachtet: Auch wenn ich eine Pendelbeziehung habe, unter der Woche dreht halt jeder sein Ding, fokussiert sich auf die Arbeit und am Wochenende kann man halt den Fokus auf das Paar lenken. Das man gegenüber aber komplett anderer Meinung war und andere Erwartungen hat an eine Beziehung, das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Das haben wirklich auch bei so einer Form sehr häufig mal, dass Paare da sitzen und überrascht sind, wenn jemand eine Verletzung hervorbringt und sagt „okay, das hat mich verletzt“ und der andere kann sich teilweise natürlich auch häufig gar nicht an die Situation erinnern, weil sie sehr weit zurückliegt. Der Verletzende erinnert sich seltener an eine Situation als die Person, die verletzt worden ist. Die kann sich ja an ganz vieles erinnern: Was hatte derjenige an? Welche Situationen war das? Sehr aktuell kann sich das anfühlen. Das ist richtig im Kopf drin und der andere sagt noch, gerade weil Menschen auch von sich ausgehen, „also mich hätte das jetzt dich verletzt, das kann ich mir gar nicht vorstellen“.

Warum reicht es nicht, wenn man als Paar nur in der Gegenwart und in der Zukunft arbeitet?

Ich würde gerne nochmal auf ein Detail von vorhin eingehen. Dieter hatte erwähnt, dass es nicht funktioniert in der Gegenwart zu arbeiten oder einfach in die Zukunft zu blicken. Aber das ist durchaus ab und zu mal ein Wunsch, den Paare natürlich haben, diese Idee: Ich hake jetzt einfach alles was gewesen ist ab und ab morgen geht es mir wieder gut. Warum funktioniert das nicht? Warum können wir nicht einfach einen Haken dran machen und sagen „ab morgen läuft alles anders“?

Das hast du gerade selber gesagt, dass deine Klienten dann sagen „ich will mich nicht mit der Vergangenheit befassen, also nach vorne gucken“. Dann kommen auf einmal die ganzen Vorwürfe von der Vergangenheit wieder hoch „du hast das gemacht und das gemacht“. Das ist alles Vergangenheit. Das liegt daran, dass wenn die Systemgesetzesebene verletzt wird, wenn das Fundament angeknackst wird, dass dann Basisgefühle entstehen. Das heißt es entstehen einfach schlechte Gefühle, die unabhängig von meinem Denken entstanden sind. Die behalte ich dann immer in mir. Ich kann probieren darüber nicht nachzudenken oder einen Deckel draufzubasteln, aber die sind trotzdem permanent da. Wenn ich voller Angst stecke oder kein Vertrauen habe in den anderen Menschen, dann kann ich natürlich sagen „ich mach‘ den Deckel drauf und ich will jetzt von vorne wieder anfangen, ich will jetzt wieder Vertrauen haben“. Ich denke das hat jeder schon mal ausprobiert, das funktioniert nicht. 

Das zu sagen „ich will mich nicht um die Vergangenheit kümmern“ kann ich voll verstehen. Wenn ich mich dann ins Leid bewegen soll oder „ich hab das schon hundertmal probiert und es hat nichts gebracht“, dass ich dann probiere den Deckel draufzumachen, ist auch verständlich. Aber das sind die Erfahrungen. Wenn es um tieferliegende Gefühle und Verletzungen geht, dann geht es nicht. Das war ja auch der Weg dahin zu gucken: Wo kann man anfangen? Also mal dahin zu gehen wo war es mal gut genug.

Warum können Verletzungen mit der SystemEmpowering Methode auf einmal gelöst werden?

Vielen fällt tatsächlich schwer den Unterschied festzustellen und zu sagen „da haben wir jetzt schon dreimal drüber gesprochen, da habe ich schon dreimal gesagt, dass tut mir leid, dass ich dich da verletzt habe“ und die können sich das nicht vorstellen, dass wenn man jetzt nochmal hingeht und da jetzt auf eine andere Art und Weise etwas macht, dass das dann auf einmal gehen soll.

Was würdest du sagen: Woran liegt das, dass das auf einmal geht, wenn jemand schon sieben Mal zu seinem Partner gesagt hat „das tut mir leid, dass ich dich in der Situation verletzt habe“ und das bei dem trotzdem nie angekommen ist?

Das kann ganz verschiedene Gründe haben:

  • Das eine ist, wenn sie sich entschuldigen macht es einen Unterschied, ob man das Leid sieht und zu seinem Verhalten steht. 
  • Dann ist oft ein Grund, dass wenn sie sagen „es tut mir leid“, dass dann trotzdem die Rechtfertigung kommt, wieso sie nicht anders handeln konnten. Das löst aber auch kein schlechtes Gefühl auf.
  • Ein dritter Punkt ist, dass die Wut die entstanden ist bei der verletzten Person, auch aufgelöst werden muss. Das heißt, wenn man nur das Leid anerkennt und sagt „ich wollte dich nicht verletzen, das tut mir leid“ und dann aber die Wut, die entstanden ist, nicht ausgeglichen wird (also dass man sagen kann „du bist wütend auf mich, her damit“), dann ist die Verletzung auch nicht wirklich aufgelöst. Wenn jemand nur dann „ich wollte dich nicht verletzen, ich konnte nicht anders, ich habe das nur gemacht weil …“, dann löst sie sich auch nicht auf, weil ich will ja natürlich wissen oder ich brauche natürlich, dass dieses Verhalten nicht noch mal passiert. Deswegen fragen wir ja auch „wenn du vorher gewusst hättest, dass dein Verhalten dieses schlechte Gefühl macht, was hättest du anders gemacht?“.

Es genügend Gründe und oft ist es auch so, dass es gar nicht die erste Verletzung ist, dass man die ersten Kleinigkeiten gar nicht mehr so im Sinn hat. Wenn man auf die Suche geht, wo war denn die erste Verletzung, findet man diese ganz kleinen gar nicht, sondern ist gleich schon bei den dickeren. Die lassen sich auch nicht auflösen, weil die ja schon wieder eine Folge sind von allen Verletzungen davor. Also verschiedenste Gründe.

Darauf wollte ich eigentlich hinaus, weil letztendlich viele dann glauben „warum soll ich jetzt diesen Weg nochmal probieren, ich hab doch schon so vieles gemacht?“ und dann einfach die Zuversicht fehlt, dass das überhaupt wirklich funktionieren kann verletzte Gefühle nachhaltig zu lösen. Weil man doch immer wieder im Coaching Menschen trifft, die das noch nicht erlebt haben, die das nicht bewusst kennen, dass sich ein Gefühl nachhaltig auflöst.

Auf welche Systeme kann die SystemEmpowering Methode noch angewendet werden?

Was natürlich auch zum SystemEmpowering gehört ist, dass wir das System jetzt auch größer machen als nur ein Paar. Das wir eben gucken: Gibt es noch andere Verursacher, die Ursprungsfamilie, die eigenen Eltern, die Großeltern? Alle gehören dazu, weil wir oft ja das gleiche wieder erleben, was unsere Eltern schon erlebt haben. Nicht umsonst sagt man „meine Eltern waren Scheidungskinder, jetzt die eigenen Kinder auch wieder“, als wenn das so vererbt werden würde. Also das hat nicht nur mit Vorbildern zu tun, sondern auch wie viel Power kriege ich mit oder wie viele Ängste und Leid bekomme ich mit. So suchen sich typischerweise auch Paare.

Das ist dann oft der Grund, wo wir dann sagen: Einerseits ist die Beziehungsebene ganz gut (bzw. gut genug), aber so auf Systemgesetzesebene, wenn ich jetzt von meinen Eltern schon Ängste mit reinbringe, dann stecken die in so einer Beziehung drin. Das kann dann Eifersucht machen oder dass man sich eher zurückzieht oder solche Dinge. Die kann man dann zu zweit erstmal gar nicht auflösen, sondern man muss erstmal die Themen auflösen, die davor schon in der einzelnen Person drin stehen.

Jeder bringt sein eigenes Fundament in die Beziehung mit hinein und man baut dann ein Doppelhaus zusammen, was dann nur so stabil ist, wie jedes einzelne Fundament. Wenn das auf Moor gebaut ist…

Jan hatte auch berichtet von der Ex-Partnerin, die dann einfach etwas mitbringt so für dich im Inneren. Du hast wahrscheinlich das mit deiner Ex-Partnerin nicht real nochmal gelöst, sondern innerlich gelöst? Genau. Das reicht nämlich vollständig aus, das dann innerlich zu lösen und so das Fundament dann stabiler zu gestalten.

Sollten Paare verstärkt an ihren Themen arbeiten?

Hast du noch eine spannende Frage für heute? Ja, ich habe eine letzte Frage. Dieter, was würdest du dir wünschen, wie das in Zukunft sein soll? Also würdest du dir wünschen, dass mehr Menschen ins Coaching gehen um ihre Themen zu bearbeiten?

Klar, mein Antrieb ist wirklich Leid vermeiden, weil ich kenne Leid und wie sich das anfühlt. Ich habe dann über Jahre und Jahrzehnte Methoden entwickelt, eben das SystemEmpowering, wie man solche Ängste und Konflikte und Leid auflösen kann. Das ist mein Antrieb, meine Vision, dass das in die Welt geht und die Menschen leidfrei leben können, ohne Angst. Und wenn Angst und Leid und Wut und diese Sachen weg sind, dann kommt automatisch mehr Power, Urvertrauen, Freude, Glück und die Menschen würden anders miteinander umgehen, untereinander, mit der Natur, mit der Umwelt. Also das ist für mich so die Grundlage für meine große Vision, wie Frieden und Gerechtigkeit, weil da muss jeder bei sich anfangen und in der Familie anfangen und das wieder an seine Kinder weitergeben. 

Unser Fazit

Vielen Dank ihr beiden für die Einblicke in das SystemEmpowering, in eure Methodik und in das Hanseatische Institut. Wir hoffen dir als Zuhörer oder Zuhörerin hat das geholfen und trägt vielleicht dazu bei zu verstehen, wie wir arbeiten und dass wir vielleicht nicht so die ganz klassischen Paartherapeuten sind, sondern dass das schon eine sehr spannende und nachhaltige Methodik ist, die wir einsetzen. Sie kann auch dann, wenn du schon vieles probiert hast, dabei helfen emotionale Konflikte und Verletzungen zu lösen. Ansonsten freuen wir uns immer, wenn ihr ein Abo dalasst oder Kommentare schreibt und wir etwas Feedback von euch bekommen. Bis bald!

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