Podcast: Mein/e Partner/in hat Angst vor Konflikten: Wie kann ich damit umgehen?

liebevoll verfasst von 
Florian
veröffentlicht am 27. Januar 2021 in der Kategorie ,
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Wenn man Angst vor Konflikten hat, dann bedeutet das, dass man Angst hat sich mit seinem Partner zu streiten, einem Streitgespräch auf jeden Fall aus dem Weg gehen möchte und harmoniebedürftig ist. Man fürchtet zum Beispiel, dass ein Streit die Harmonie in der Beziehung gefährden könnte. Doch woher kommt eine solche Angst und wie kann man damit umgehen?

Die Angst vor Konflikten hat ihren Ursprung häufig in der Vergangenheit und in den Erfahrungen, die wir bereits in unserer Kindheit gesammelt haben. Vielleicht hat man zum Beispiel schon früh erlebt, dass ein Streit zu einer Trennung geführt hat. Durch diese Prägung versucht man nun in seinem eigenen Leben Konflikte zu vermeiden, um unguten Konsequenzen zu entgehen.

Auch wenn man eine solche Angst hat, bedeutet das nicht, dass man Konflikte totschweigen sollte. Es ist wichtig, über eine Konflikt zu sprechen und entstandene emotionale Verletzungen aufzulösen. Ansonsten gerät man immer tiefer in die Konfliktspirale.

Um die eigene Konfliktscheue zu lösen würden wir euch empfehlen, eine neue Haltung einzunehmen. Akzeptiert, dass es in eurer Beziehung eine Unstimmigkeit gibt, die gemeinsam mit dem Partner gelöst werden kann. Ein normaler Konflikt hat nicht zur Folge, dass man sich trennt.

Damit ein Streit nicht ausartet und man ein Problem in einer ruhigen Atmosphäre lösen kann, sollte man wissen, wie man seinem Partner richtig Feedback gibt und wie man sich richtig entschuldigen kann. In unserem kostenlosen 5x5 Online-Kurs haben wir euch hierzu spannende Inhalte vorbereitet.

Wenn ihr euch vor einem Konflikt mit eurem Partner fürchtet, dann ist das nichts schlimmes. Wichtig ist, dass eine solche Angst gezielt und nachhaltig aufgelöst wird. Ist dieser Schritt getan, könnt ihr harmonischer mit eurem Partner kommunizieren und einen Konflikt harmonisch auflösen.

Unterhalb findet ihr das Transkript dieser Folge.

Herzlich Willkommen zu dieser Podcast-Folge der Lebensidealisten. Mein Name ist Florian, ich bin Ina, wir sind Paartherapeuten und Coaches und helfen Paaren raus aus der Krise hinein in eine glückliche Beziehung. Heute soll es um das Thema gehen: Mein Partner / meine Partnerin hat Angst vor Konflikten - Wie kann ich damit umgehen?

Wenn jemand Angst hat in einen Konflikt zu gehen, liegt das häufig daran, dass derjenige Angst hat die Harmonie in der Beziehung zu verlieren. Also was kommt, wenn ich jetzt anspreche, dass mich etwas stört? Oder wie reagiert der andere, gerade am Anfang einer Beziehung, wenn ich jetzt direkt Sachen anspreche? Es gibt ja viele Menschen, also gar nicht so wenig Menschen, die ganz bewusst versuchen einen Konflikt zu vermeiden, weil ihnen das einfach sehr unangenehm ist. 

Junges Paar in der Krise

Das Problem: Was passiert, wen Konflikte aktiv verschwiegen werden?

Da vielleicht spannend, dass wir erstmal drauf schauen: Was passiert denn überhaupt, wenn ich Angst vor Konflikten habe und diese vermeide? Dann setzt das ja meistens schon viel früher an. Also die Angst davor, dass ein Konflikt entstehen könnte, sorgt ja meist dafür, dass schon andere Dinge deutlich bevor eigentlich ein Streit oder Konflikt vorliegt, schieflaufen. Das erste ist ja meistens, dass man seine Gefühle nicht abspricht. Also wenn jemand bei mir ein ungutes Gefühl macht, dass ich das gar nicht ausspreche aus Angst, es könnte daraus ein Konflikt entstehen oder vielleicht auch der Sorge, dass man gar nicht weiß, wie sich das überhaupt lösen lässt. Also dann hab ich das zwar ausgesprochen, aber nie die Erfahrung gemacht, dass sich das damit auch wirklich löst. 

Die Bedürfnisse werden gegenüber der Partnerin / dem Partner nicht gezeigt

Gerade am Anfang einer Beziehung, wenn man gerade so die rosarote Brille so ein bisschen ablegt, muss man sich da ja auch erstmal eingrooven und den anderen einschätzen können. Kann derjenige in einen Konflikt gehen? Wie kann ich Sachen ansprechen? Wie fühlt sich das an für uns beide? Wie streiten wir, das ist ja auch so ein Thema. Letztendlich Bedürfnisse aussprechen ist bei vielen schwierig, wahrscheinlich aus der Angst, die könnten nicht erfüllt werden oder auch das könnte wieder zu einem Konflikt werden, weil der Andere andere Bedürfnisse hat oder die eigenen nicht erfüllen mag. 

Erwartungen bleiben unausgesprochen

Genau das gleiche mit Erwartungen, dass wir Erwartungen haben, die wir nicht aussprechen, also unausgesprochene Erwartungen haben, die dann sehr regelmäßig zur Enttäuschung werden. Und wird da einfach schauen müssen, dass wir unsere Erwartungen auch ganz offen aussprechen. Nur so hat der andere die Chance, diese zu erfüllen. 

Da leben wir manchmal vielleicht auch zu sehr in einer Fernseh-Märchenwelt in dem Wunsch, dass uns der Partner alle Wünsche von den Lippen ablesen können soll, doch in der Realität funktioniert das meistens nicht. Woher soll der das alles wissen? Dafür sind wir Menschen einfach zu individuell. Woher soll ich all die Wünsche des anderen wissen. Bei uns so nach 11 Jahren kann man so langsam mal sagen, wir können so langsam durchaus die Wünsche des anderen irgendwie an den Lippen ablesen. 

Aber die Chance, dass das schiefgeht, wenn ich meine Erwartungen nicht ausspreche, ist trotzdem immernoch groß, weil sich das ja auch ändern kann. Und weil meine Bedürfnisse sich auch ändern können über die Jahre. Meine Belastungssituationen andere sind vielleicht.

Immer, wenn im Kopf aufblinkt, dass der Impuls kommt „das könnte er oder sie sich ja denken“, dann ist eigentlich ein Anzeichen dafür, dass ich ein Bedürfnis nicht ausgesprochen habe. Also auch mein Anteil, dann zu sehen und nicht wütend darüber zu sein, dass der andere das nicht gemacht hat, sondern auch zu sagen „ja, es ist meine Aufgabe für mich zu sorgen und auch dem anderen die Möglichkeit zu geben, meine Wahrnehmung auch zu verstehen und auch meine Erwartungen zu erfüllen“, wenn das gewünscht ist. 

Der Partnerin / Dem Partner wird kein Feedback gegeben

Ein letzter Punkt, der auch häufig nicht gemacht wird, wenn man Angst vor Konflikten hat, ist Feedback geben. Es ist dieses Feedback geben, was dann die Angst erzeugt, der andere könnte das als Vorwurf, als Kritik wahrnehmen und dadurch wird derjenige entsprechend wütend oder verärgert/traurig und es kommt in einen Konflikt. Darüber könnten wir auch schon wieder eine ganze Podcast-Folge drehen, über das Feedback geben. 

Die Ursachen: Woher kommt die Angst vor einem Streit?

Da stellt sich ja grundsätzlich die Frage, woher kommt diese Angst vorm Streit? Also warum ist das manchen Menschen einfach total unangenehm und sie sagen immer „jetzt muss auch mal gut sein“ und „man muss ja nicht alles zerreden“, oder die gehen raus aus dem Streit, brechen den Streit ab, fahren weg oder Türen knallen zu?

Eigentlich sind wir dann wieder bei unserer typischen Antwort: Die Vergangenheit, die da wieder eine Rolle spielt, unsere Prägungen, vielleicht auch Kindheitserfahrungen. Denn letztendlich: Wo lernen, wie mit Konflikten umgegangen wird, wo lernen wir, wie man eine Verletzung ausspricht/ein ungutes Gefühl ausspricht, wo lernen wir, wie man Feedback gibt? Die meisten lernen Feedback geben und wie man miteinander kommuniziert, so zumindest vom Modell her, irgendwann in einem Kommunikationskurs, wenn man vielleicht eine Ausbildung macht oder vielleicht mal in der Schule. Und dann kommt auf einmal das 4 Ohren Modell, diese ganzen Sachen und man fängt an, diese Ebene miteinander eher zu verstehen. Aber es wird einem eigentlich nie gezeigt, wie ich ein ungutes Gefühl ausspreche oder wie ich auch ein Konflikt im Guten löse. Im Guten heißt für uns eigentlich nachhaltig, dass auch wirklich kein Gefühl zurückbleibt. Die meisten lernen zwar sich zu entschuldigen, das ist so das Typische was man kennt, vielleicht noch als Kind „du musst da hin und entschuldige dich“, meistens für das Verhalten. Man entschuldigt sich eigentlich eher für das ungute Gefühl, dass man dem anderen gemacht hat. 

Die Kindheit als häufiger Auslöser für die Angst vor Konflikten

Ich glaube, um das noch kurz einzuwerfen, ist es auch immer ganz spannend, wenn man selber mal auf seine Kindheit zurückguckt oder jetzt selber, wir sind ja auch Eltern, wir haben auch einen kleinen Sohn, das man immer von den Kindern erwartet, dass sie sich entschuldigen, aber Erwachsene sich bei Kindern eigentlich sehr selten entschuldigen. Und dass das auch schon so ein kleiner Denkanstoß ist, weil gerade wenn wir als Erwachsene zu unserem Kind gehen und sagen „das was ich gemacht habe, das tut mir leid, wenn du jetzt wütend deshalb geworden bist oder es bei dir Bauchschmerzen gemacht habt, das war nicht meine Absicht“, dann lernen wir ja auch eigentlich: Wie läuft das ganze Spiel eigentlich ab mit Konflikten? Ich bin dafür verantwortlich, dass ich schlechte Gefühle bei anderen mache. Aber andere können auch zu mir kommen und sich entschuldigen. Ich glaub das ist immer so das, was gelernt werden muss.

Dazu muss ich natürlich selbst Gefühle aushalten können, also ich muss es aushalten können, dass mein Sohn dann wütend wird, traurig wird und muss mit Traurigkeit umgehen können, muss mit Wut umgehen können. Wenn für mich das unangenehm ist, weil mein Sohn gerade wütend ist, vielleicht auch weil es in der Öffentlichkeit passiert, dann werde ich schwer das managen können, so dass es weggeht, sondern werde eher bemüht sein im Außen dafür zu sorgen, dass ich aus dieser peinlichen, unangenehmen Situation, wo Menschen auf mich gucken, hinauskomme.

Es sind die die die Prägungen aus der Vergangenheit, wie habe ich durch meine Eltern, durch mein Umfeld gelernt Konflikte zu lösen? Wenn ich da gesehen habe, dass das eher negativ ist und Streit eher nachhaltig negativ wirkt und die beiden kommen nicht raus oder ich habe es einfach nicht gesehen… So ein typisches Beispiel ist ja immer: Die Eltern streiten sich und kommen da erstmal nicht raus. Dann ist es irgendwann 08:00 Uhr, das Kind muss zu Bett. Dann wird erstmal das Kind zu Bett gebracht und ich als Kind gehe dann im Streitgefühl der Eltern schlafen. Am nächsten Morgen wache ich auf und gucke und irgendwie ist alles merkwürdig, denn die sind nett zueinander, aber ich verstehe das gar nicht. Da vergessen Eltern häufig dann die Kinder wieder mit ins Boot zu holen und zu sagen „guck mal, bei uns ist alles gut, wir haben das so und so gelöst und uns geht es wieder gut, wir mögen uns immer noch“. Also ein Streit führt nicht dazu, dass die Liebe weniger wird. 

Ungute Erfahrungen und Prägungen, die noch immer präsent sind

Dann ist ja das Thema, welche Erfahrungen macht man, wenn man Gefühle anspricht oder wenn man überhaupt Dinge anspricht, Feedback gibt und so weiter. Wenn dadurch regelmäßig halt oder einige Male - und das prägend war - ein Streit entstanden ist oder ein Konflikt entstanden ist, der Partner einen Wunsch als Vorwurf aufnimmt, das Feedback nicht richtig ankommt, weil es als Kritik ankommt (all‘ diese ganzen Dinge, die wir erwähnt haben) und danach vielleicht was Schlimmes passiert, wie eine Trennung zum Beispiel, dann nehme ich das natürlich mit. Diese Angst davor „okay, wenn jetzt eine Unstimmigkeit zum Streit führt, könnte das automatisch eine Trennung bedeuten“. Daraus kann eine Angst entstehen und die Angst greift dann eher am Anfang des Ganzen, nämlich dass ich dann sage „okay, dann spreche ich lieber kein Bedürfnis mehr aus, ich gebe lieber aber kein Feedback mehr, ich sage lieber nicht mehr, dass es mir nicht gut geht, weil wenn ich das tue, könnte daraus ein Streit entstehen, daraus könnte eine Trennung entstehen und davor habe ich Angst“.

Das machen wir natürlich nicht bewusst, das ist auch so ein so ein Ablauf, der ganz schnell im Kopf geht. Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen kompliziert an, aber wenn man selber in der Situation drin steckt macht das total (oftmals bei vielen Menschen) stimmiges Gefühl. Also die haben das Gefühl „okay, das fühlt sich wirklich bei mir so an“. Naja meistens entsteht ja auch im Denken eine andere Schlussfolgerung, nämlich eine Unterstützung das zu Deckeln. Also dieser Prozess, den ich gerade beschrieben habe, der ist eher so im Basisgefühl, im Bauchgefühl. Und im Denken entstehen dann ja eher Sätze, die dieses Wegdrücken unterstützen (also zum Beispiel „ich merke, irgendwas was du machst, das macht bei mir ein ungutes Gefühl oder irgendwas passiert“ und ich denke“nein, daraus könne ein Streit entstehen, ich habe Angst vor einer Trennung“ und dann kommt der Kopf und sagt „ist auch nicht so wild, mach dir nicht so viele Gedanken, du bist wieder viel zu sensibel, nimm das nicht so ernst, sie meinte das gar nicht so“ - So wird das Ganze vom Kopf heruntergeredet, das ist ja meistens das, was passiert)

Die Angst zulassen und Konflikte verschweigen: Ist das die Lösung?

Sollte man Probleme dann lieber totschweigen und einem Streit aus dem Weg gehen? Natürlich nicht, das kommt ja alles wieder. Je früher, desto besser. Es ist wichtig über Konflikte und Verletzungen zu sprechen, weil dann kann ich sie nur lösen. Ich kann ja nur einen Konflikt lösen, wenn ich offen darüber spreche mit meinem Partner / meiner Partnerin. Nur wenn ich das anspreche, kann der andere ja auch wissen, dass man verletzt ist, das ist ja auch immer so der Punkt. Ich kann ja nicht erwarten, dass der andere auf mich zukommt, wenn derjenige aus seiner Wahrnehmung vielleicht gar nicht gemerkt hat, dass er mich damit verletzt hat. Das ist vielleicht nochmal ein spannendes Thema, wir können da nochmal ausholen. 

Warum verletzt man jemanden, ohne es richtig zu merken?

Warum passiert das überhaupt, dass ich jemand anderen verletze und das selber nicht merke? Das ist gar nicht so selten, wenn wir Verletzungen hier auflösen, dass der eine dann sagt „dann bei der und der Situation, bei dem Geburtstag hast du das und das gesagt“. 

Erstmal auch vielleicht können die Menschen sich natürlich nicht mehr dran erinnern, weil wenn ich das nicht bewusst gemacht habe, habe ich das im Kopf nicht abgespeichert, wenn ich jemanden gar nicht bewusst verletzt habe. Dann ja wird meistens so ein Bild aufgebaut, dass der andere dann vielleicht erzählt „doch, bei den Geburtstag in der und der Situation“ und dann kann der andere sich durch die Situation daran erinnern manchmal. Aber in der Wahrnehmung der anderen Person war das gar keine Verletzung, denn jeder hat ja auch eine andere Interpretation, eine andere Prägung, andere Glaubenssätze, was verletzend ist. Dementsprechend ist das unterschiedlich, wie was einen verletzt. Und wenn ich das nicht ausspreche und nicht sage, was mich verletzt, dann kann der andere natürlich auch gar nicht für diese Situation die Verantwortung übernehmen und das Leid sehen und sich dafür entschuldigen, weil derjenige weiß gar nicht, dass mich das verletzt hat. 

Zwei Grundannahmen, die hinter unabsichtlichen emotionalen Verletzungen stecken

Ich glaube da stecken so zwei ganz wichtige Grundannahmen drin, die häufig schief laufen. Das eine ist: Warum kann ich jemanden verletzen und merk das selber nicht in meiner Wahrnehmung? Weil ich in positiver Absicht gehandelt habe. Ich hatte eine positive Absicht, im Mindestmaß für mich selbst und hab den Satz vielleicht gesagt, weil es lustig ist, aber habe trotzdem bei jedem anderem ungute Gefühle gemacht. Da ich lustig sein wollte und auch 3 von 4 Leuten gelacht haben, war es wohl gut und passte wohl. Aber die vierte Person, die fühlte sich halt verletzt und das weiß ich nicht. Wenn derjenige das nicht ausspricht, dann weiß ich das nicht. Manchmal kann es natürlich jemandem ganz konkret ansehen, aber das ist manchmal auch schwierig, denn manche Menschen deckeln auch ihre Gefühle sehr gut. Also das sie in dem Moment dann gar nicht so ausbrechen. Jeder Mensch handelt in positiver Absicht und merkt deswegen nicht unbedingt, dass bei anderen ein schlechtes Gefühl entsteht.

Das andere, die zweite Annahme, die ich erwähnen wolltest ist, dass viele von sich auf andere schließen. Also viele glauben, das, was mich verletzt, verletzt auch andere und das, was mich nicht verletzt und bei mir kein ungutes Gefühl macht, macht bei anderen auch kein ungutes Gefühl. Dadurch steht man manchmal so da und sagt „ich versteh das nicht, weil mich würde das doch auch nicht verletzen, wenn du das machst, warum verletzt dich das denn“. Da einfach in die Annahme zu gehen und zu sagen: Jeder Mensch hat andere Prägungen, eine andere Vergangenheit. Jeder reagiert auf Themen unterschiedlich, das kann auch kulturell unterschiedlich geprägt sein. Nehmen wir das Beispiel der Pünktlichkeit, wir sind kulturell auf Pünktlichkeit geprägt, andere Länder eher nicht. Die handelt nicht in böser Absicht, wenn sie unpünktlich kommen, sondern die kennen es einfach so und für die macht das nichts, aber bei uns macht es Gefühle. 

Kommunikation stärken: Warum sollte man Gefühle nicht zurückhalten, sondern sie frühzeitig aussprechen?

Was für uns ganz besonders wichtig ist ist, je früher wir anfangen unser ungutes Gefühl auszusprechen, desto besser. Denn das ist eine große Erkenntnis aus sehr vielen Paaren, die wir begleitet haben. Die erste emotionale Verletzung ist meistens in den ersten 4 bis 12 Wochen. Also manchmal eigentlich in den ersten 4 Wochen, manchmal in den ersten 12 Wochen erst, aber sehr früh am Anfang. Die Paare sind verwundert, dass das so ist und die Paare sind verwundert, dass sie sich nach langer langer Beziehungszeit daran noch erinnern können - einer von beiden, meistens derjenige, der sich verletzt hat und meistens auch sehr detailliert. Von daher: Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, Dinge, die bei einem ein ungutes Gefühl machen, auszusprechen, auch wenn sie in dem Moment vielleicht noch wie eine Kleinigkeit wirken und noch als Kleinigkeit wahrgenommen werden. Umso besser, eine Kleinigkeit lässt sich viel einfacher lösen, als wenn man irgendwann eine sehr große Sache hat mit sehr tiefgehenden Emotionen. 

Da hattest du ja auch letztens ein Beispiel aus dem Coaching, das derjenige gesagt hat „das ist nur so eine Kleinigkeit, es lohnt sich nicht oder das hab ich nicht als wichtig empfunden, das zu erzählen“. Genau, das war immer so, dass das zwar so ein leichtes ungutes Gefühl entstand, aber dann der Kopf immer sagte „das muss sie ja selber merken, dass musst sie ja selber sehen, dass spreche ich jetzt lieber nicht an, sonst gibts einen Konflikt“. Also er hat das erste ungute Gefühl, das immer so hoch kam, erstmal unterdrückt. Aber was passierte dann: Im Verlauf gab es sehr regelmäßig danach immer einen noch größeren Konflikt, weil sich aus dem ersten unguten Gefühl, was unterdrückt wurde, danach irgendwas größeres entwickelte. 

Das ist halt ganz wichtig, dass man anerkennt oder vielleicht den Glaubenssatz verändert, dass man sagt „eine kleine Verletzung, die lohnt sich immer zu lösen“. Also immer dann, wenn ich merke es entsteht ein ungutes Gefühl, es lohnt sich diese zu lösen, denn sie könnte, wenn sie nicht gelöst ist, der Schmetterlingsschlag sein, der einen Tornado auslöst. Der Tornado entsteht erst in 3 Jahren, vielleicht auch erst in 5 oder 8 Jahren, aber es ist da. Wenn wir die Systematik und die Methodik erklären und erklären den Paaren, wie Verletzungen entstehen, was sie mit uns machen und wie man sie auflöst, dann haben sehr viele genau diesen Aha-Moment und sehen „ja es stimmt, wir sind zwar 8 Jahre zusammen, aber tatsächlich, da ist eine Verletzung in den ersten 3 Wochen und die wirkt heute noch mit der Spirale, die in Gang gesetzt wurde“. Je früher ich diese Konfliktspirale außer Kraft setze, desto besser.

Angst vor Konflikten überwinden: Wie kann das funktionieren?

Also was kann ich ganz konkret tun, um meine Angst zu überwinden in Konflikte zu gehen?

Akzeptiert die Tatsache, dass Konflikte in der Beziehung in Ordnung sind

Das Erste ist Akzeptanz, dass es einfach auch Unstimmigkeiten geben darf. Akzeptanz, dass es emotionale Verletzungen geben darf. Jeder handelt für sich in positiver Absicht, da ist das ziemlich schnell, dass jeder auch unterschiedliche positive Absichten hat und es dadurch einfach zu Verletzungen kommt. Das macht ja eigentlich auch unser Leben aus, das jeder unterschiedlich, einzigartig ist und nicht jeder gleich ist, nur damit wir uns gut verstehen. 

Ich wurde gerade gestern im Coaching gefragt (im Kennenlern-Termin): „Lebt ihr dass alles so zu Hause?“ – „Ja, machen wir“. Und „habt ihr gar keine Konflikte mehr?“ – „Doch klar“. Sonst müssten wir uns ja gegenseitig irgendwie klonen, selbst dann, man halt selber mit sich ja auch Konflikte, innere Zerrissenheit, die dann nach außen kommt. Natürlich weiterhin gibt es Konflikte und weiterhin gibt es ungute Gefühle die entstehen, weil wir alle in positiver Absicht handeln. Aber natürlich, je mehr wir diese Konfliktspirale außer Kraft setzen und keine Triggerpunkte haben, desto seltener passiert ist und wenn es passiert, dann kocht die Stimmung nicht völlig nach oben, sondern man kann es dann noch relativ gut beheben. Sollte es sein (wir können beide die Methodik, wir lösen beide dauernd Konflikte mit uns, für andere), dass man in eine Befangenheit gerät und durch eine Befangenheit an einen Punkt kommt, wo man sagt „meine Emotionen sind irgendwie so stark, sie überlagern mein Denken, ich kriege das nicht mehr hin und brauche jemanden, der von außen unterstützt“, auch das kann passieren.

Steigert euer Selbstwertgefühl zur Überwindung eurer Angst

Genau, also dann ist es natürlich: Wie kann man seine Angst überwinden? Indem man das Selbstwertgefühl steigert. Also dass man den Fokus auf sich selber mal legt und einmal schaut „okay, welche Prägung, welche Glaubenssätze in mir drin sind es, die mir das immer wieder schwer machen in Konflikte zu gehen“? Also sich mit dem Thema zu beschäftigen, was natürlich ein sehr großes Thema ist. Aber natürlich nachhaltig gesehen der wichtigste Schritt ist eigentlich. Mutig genug zu sein, das auszusprechen und den Mut zu haben und auch die Zuversicht, dass sich diese auch lösen lassen. 

Eignet euch neue Tools zum Umgang mit Konflikten an

Dann sicherlich ist ein großer Punkt, wie man Angst überwinden kann, dass man vielleicht nochmal auf der Fähigkeitenebene einige neue Tools lernt. Wir haben halt häufig nicht gelernt, wie man harmonisch Feedback gibt, was auch wirklich als Feedback, als Wunsch ankommt und nicht beim anderen als Kritik oder als Vorwurf. Genauso wie viele von uns nicht gelernt haben, wie man sich so entschuldigt, dass wirklich nachhaltig ein Gefühl gelöst wird und nicht ich mich entschuldige und beim nächsten Streit mir der Punkt wieder vorgeworfen wird, der eigentlich schon längst geklärt sein sollte, sondern wie ich mich wirklich so entschuldige, dass das Thema nachhaltig gelöst wird.

Wenn euch diese beiden Punkte interessieren, dann haben wir dafür extra einen kleinen kostenlosen Videokurs entwickelt, in dem es unter anderem genau um diese beiden Punkte geht: Nämlich wie gebe ich harmonisch Feedback, wie entschuldige ich mich richtig. Dann gibt es noch drei weitere Themen, die in diesem 5x5 Kurs drin sind. Wir verlinken das in den Shownotes, schaut euch das gerne an. Es ist wie gesagt kostenlos, völlig unverbindlich für euch und hilft euch bestimmt ergänzend zu dem, was wir schon erzählt haben, weiter. Weil halt viele Dinge, die wir hier immer so am Rande erzählen, wie man Dinge löst, wie man Feedback gibt, dann nochmal in der Tiefe erklärt werden. Genau, dass wollten wir einfach nochmal vertiefen, damit auch ein besseres Verständnis entsteht.

Unser Fazit

Abschließend kann man jetzt sagen, dass diese Angst in Konflikte zu gehen und in Streitsituationen zu gehen bei vielen mehr Menschen vorhanden ist als gedacht ist, also als vermutet wird, weil doch wir Menschen dazu neigen zu Harmonie zu tendieren und die Sachen beiseitezuschieben. Vielleicht auch durch unsere Lebensweise, dass wir auch wenig natürlich Konflikte aushalten wollen und können durch den aufregenden Alltag, durch die Belastungen, die sonst mit dazukommen. Gerade wenn man so geprägt ist, dass man (wir nennen das beim Coaching sehr Herzlastig ist) eher so die weiche Seite in sich hat, dann möchte man einfach auch dieses warme, kuschelige Gefühl in der Komfortzone behalten erstmal. Also oberflächlich gesehen warm und kuschelig, in der Tiefe gesehen ist es ja eher ein bröckelndes Fundament, was sich entwickelt. Ja, aber das haben gar nicht so wenige Menschen.

Aber da hast nochmal einen ganz wichtigen Punkt angesprochen und mir eine Vorlage gegeben, nämlich dass es immer zwei Seiten gibt, wie man besser mit Konflikten umgehen kann. Das eine ist natürlich seine Prägungen zu lösen, Fähigkeiten zu entwickeln und so weiter. Aber man muss auch ganz klar sagen, das ist nur die eine Hälfte der Zündschnur, die die Zündschnur kürzer werden lässt (und die wichtigere aus meiner Sicht). Aber die andere ist auch ganz wichtig, nämlich dass man im Alltag dafür sorgt, dass man nicht immer voller Stress geladen ist, voller negativer Energie ist und so weiter und dadurch die Zündschnur noch viel kürzer wird. Auch diese Ebene ist wichtig. Wenn ich jeden Tag völlig gestresst von der Arbeit komme, dann kann ich noch so gut wissen, wie man mit Konflikten umgeht. Wenn mein Energielevel absolut niedrig ist und ich eigentlich nur noch meine Ruhe will und keine Power mehr habe, und dann stürmt ein kleiner Mann auf mich zu, das funktioniert halt nicht. Also dann können Konflikte entstehen. Ich kann nur die Wut und alles andere auch aushalten in Konflikten, wenn ich selber auch die Ressourcen habe. 

Der eine Anteil, den haben wir eben ausführlich besprochen, der andere Anteil ist einfach im Alltag dafür zu sorgen, nicht zu viel Stress zu haben, seine Zündschnur eher ein bisschen länger zu machen, Pausen einzuhalten, nicht den Akku von Urlaub zu Urlaub völlig leer zu machen, sondern im Alltag den Akku aufzuladen, all diese Dinge ja. Von Urlaub zu Urlaub ist in Corona-Zeiten ein mieses Thema, aber trotzdem der Spruch an sich ist schön. Also es geht darum den Mut zu haben Verletzung auszusprechen, eine neue Streitkultur zu entwickeln und dadurch auch für sich ein neues Emotionen-Management zu finden und gerade so früh wie möglich dafür zu sorgen, dass Konflikte gelöst werden, Gefühle angesprochen werden und so weiter.

Jetzt ist die Podcast-Folge schon wieder vorbei. Wir würden uns freuen über eine Rückmeldung, wie euch das gefallen hat. Schreibt uns gerne bei Instagram oder abonniert natürlich auch gerne diesen Podcast, darüber freuen wir uns immer sehr und bewertet ihn gerne positiv, darüber freuen wir uns noch mehr. Ansonsten sehen wir uns beim nächsten Mal oder hören uns beim nächsten Mal mit einem weiteren Thema. Genau, bis dann!

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