Podcast: Den Kindern von der Trennung erzählen: Diese Tipps helfen euch dabei!

liebevoll verfasst von 
Sophie
veröffentlicht am 20. Oktober 2022 in der Kategorie ,
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Trennung mit Kindern meistern

Wenn man sich als Elternpaar für eine Trennung entschieden hat, dann stellt sich immer auch die Frage, wie man den Kindern davon erzählt. Man hat dann womöglich Angst vor der Reaktion der Kinder, aber auch andere Sorgen spielen eine Rolle: Kann man den Kindern als Elternpaar genug Sicherheit im Gespräch schenken? Und wie wird die Zukunft wohl aussehen? Je nachdem, wie alt die Kinder sind, muss nun eine altersgerechte Erklärung her.

In dieser Situation ist häufig das Problem, dass man nicht so recht weiß, wie man die Trennung gegenüber den Kindern kommunizieren soll. Häufig bestehen Unsicherheiten, worauf es im Gespräch ankommt und wie man die Trennung bestmöglich vermittelt. Auch Unsicherheit kommt auf, da noch nicht klar ist, wie es in Zukunft weitergeht. Womöglich ist noch unklar, wann eine räumliche Trennung stattfindet und ob eine Scheidung sofort eingeleitet wird. Das schwierige ist bei einer Trennung vor allem, dass man den Kindern noch keine näheren Informationen über die Situation geben kann, obwohl man dies gerne würde.

Diese Probleme haben eventuell zur Folge, dass das Gespräch mit den Kindern vorerst aufgeschoben wird. Das geschieht oft dann, wenn man mit der Ex-Partnerin oder dem Ex-Partner noch grundlegende Dinge klären muss, die vorerst Priorität haben. Die Kinder werden dann erstmal im Dunkeln gelassen. Dieser Aufschub kann dazu führen, dass die Kinder eine Veränderung im Alltag und zwischen den Eltern spüren. Daraus ergeben sich Unsicherheiten oder auch Ängste, die aber erstmal verschwiegen werden.

Für Eltern wird es nach dem Warten immer schwieriger, das Gespräch mit den Kindern einzuleiten. Es machen sich ungute Gefühle breit, weil man es den Kindern nicht länger verheimlichen möchte. Häufig fehlen auch Lösungsmöglichkeiten, wie man die Trennung verkünden soll. Immer mehr Ängste und Sorgen, wie die Kinder reagieren werden und ob sie langfristig enttäuscht oder wütend sein werden, kommen auf.

Euch gemeinsam Gedanken darüber zu machen, wie ihr die Trennung kommunizieren möchtet, kann hier ein Ansatz sein - Wie möchtet ihr das Gespräch gestalten? Ihr könnt es aktiv vorbereiten, euch über schwierige Fragen Gedanken machen und euch absprechen. Vereinbart am besten auch einen Termin für das Gespräch mit euren Kindern. Es ist wichtig, dass das Gespräch nicht zwischen Tür und Angel stattfindet. Ein Termin hat den Vorteil, dass ihr euren Kindern sagen könntet, dass ihr kommenden Abend gerne mit ihnen reden würdet. So können sie sich darauf einstellen und ihr habt einen festen Termin für das Gespräch.

Bereitet eure Kinder außerdem auf die Trennung vor. Schafft eine liebevolle Atmosphäre, seid wertschätzend und einfühlsam und zeigt Verständnis. Lasst euch genug Zeit und gebt euren Kindern Sicherheit. Gebt auch einen kleinen Ausblick auf die Zukunft, z.B. wie es in Zukunft nun weitergehen wird und was als nächstes ansteht. Und ein besonders bedeutender Punkt ist: Seid für eure Kinder da - Bietet ihnen an, dass ihr jederzeit miteinander reden könnt und gerne zuhört.

Falls ihr nach der Podcast-Folge mehr zu dem Thema "Trennung verarbeiten" wissen wollt, dann könnt ihr sehr gerne mal in unseren Blog-Beitrag dazu reinschauen - dort geben wir euch Tipps. Außerdem haben wir bereits schon mal das Thema Trennung und wie man es den Kindern am besten sagt, aufgegriffen. Da könnt ihr auch gerne mal vorbeischauen.

Unterhalb findet ihr das Transkript dieser Folge.

Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge bei den Lebensidealisten. In dieser Folge geht es darum, den Kindern von der Trennung zu erzählen – Diese Tipps helfen euch dabei. Mein Name ist Florian, ich bin Ina, wir sind Paartherapeuten und Coaches und helfen euch raus aus der Krise, hinein in eine glückliche und harmonische Beziehung.

Den Kindern von der Trennung erzählen

Wenn man sich als Elternpaar für eine Trennung entschieden hat, dann stellt sich ja auch immer die Frage: „Wie erzähle ich den Kindern davon?“. Neben der Angst vor der Reaktion von den Kindern gibt es natürlich auch noch verschiedene andere Sorgen: „Kann ich überhaupt den Kindern Sicherheit vermitteln in dem Gespräch und wie wird das alles überhaupt bei uns zu Hause in Zukunft aussehen?“. Je nachdem wie alt die Kinder sind, muss man natürlich eine altersgerechte Erklärung bringen und wir erzählen euch in dieser Folge wie ihr die Trennung den Kindern stimmig mitteilen könnt und welche Tipps euch auf diesem Weg helfen.

Wo liegt das Problem?

Ich denke, das Problem ist häufig auf der einen Seite, dass man nicht weiß, wie man das den Kindern gegenüber kommunizieren soll. Auf der anderen Seite sind ja nicht wenige Menschen vielleicht befangen durch ihre eigene Kindheit, wenn sie selber eine Trennung der Eltern erlebt haben - also selber das Leid als Trennungskind - und werden dann wieder angetriggert von ihren eigenen Gefühlen, die sie als Kind hatten und stellen sich dann eben dadurch vor, wie das wohl für die eigenen Kinder sein wird. Die Erfahrung zeigt, dass die Art und Weise ganz entscheidend ist, wie man damit umgeht und ob man wirklich ein stimmiges Elternpaar bleibt oder ob das dann in weitere Konflikte gerät. Vielleicht differenzieren wir für den Start nochmal ganz kurz Liebespaar und Elternpaar, damit die Zuhörer auch wissen, was gemeint ist.

Also ein Liebespaar sind zwei Menschen, die als Paar zusammen sind, die eine Liebesbeziehung haben. Und ein Elternpaar sind zwei Menschen, die sehr häußig auch eine Liebesbeziehung hatten, die die Verantwortung als Elternteil haben und wenn man sich trennt, trennt sich das häufig das Liebespaar, aber das Elternpaar kann sich eigentlich nicht trennen, weil als Eltern bleibt man ja in der Rolle. Jetzt ist natürlich die Frage: „Bleibt man wirklich Elternpaar, wenn einer sagt: „Ich möchte gar keine Verantwortung mehr übernehmen.“? Also könnte man auch Elternpaar sagen, wenn beide dazu bereit sind – so ist es ja in den aller meisten Fällen – weiterhin Verantwortung für die Kinder zu übernehmen.

Deswegen sprechen wir immer von einem stimmigen Elternpaar und das ist eben auch das, was für Kinder besonders wichtig ist, dass das Elternpaar an einem Strang zieht, gleiche Werte vermittelt, gut voneinander spricht usw. Das Liebespaars ist so ein i-Tüpfelchen obendrauf, nicht?

In dem Gespräch ist natürlich häufig das Problem, dass man selber vielleicht noch total viele Unsicherheiten hat. Man hat auf der To-Do-Liste: „Jetzt müssten wir eigentlich mit unseren Kindern darüber sprechen.“, aber häufig sagen Paare im Coaching dann: „Ja, ich hab selber noch gar kein Plan, wie es jetzt weitergehen soll und wie soll ich das denn jetzt vermitteln?“. Oder noch eine Stufe davor, dass eigentlich noch ganz viele Verletzungen offen sind, dass man noch wütend auf die Partnerin oder den Partner ist, dass man selber noch in tiefer Trauer steckt, das selber vielleicht noch gar nicht realisiert hat, was jetzt passiert. Und vielleicht in Situationen, wo das plötzlich kommt, durch eine aufgedeckte Affäre oder ein Fremdgehen, wo auf einmal jemand sich in die Situation hineinversetzt fühlt, sich jetzt trennen zu müssen.

Das ist ja auch gekoppelt an den Schritt der räumlichen Trennung. Also dass Paare wenn sie zusammen sind dann in diese Krise reinkommen und wenn sie sagen: „Okay, jetzt trennen wir uns.“ und als Liebespaar auseinander gehen, wohnt man ja meistens noch zusammen. Und dann sagt man: „Okay, wenn jetzt einer auszieht, dann müssen wir es eigentlich unseren Kindern sagen.“. Aber da stellt sich dann die nächste Problematik: Wie läuft denn so ein Ausziehen ab? Sollte man das den Kindern vor dem Ausziehen sagen oder danach? Weiß man das überhaupt schon so schnell - es kann ja auch meistens einer nicht ausziehen - wie die Zukunft weitergeht? Zieht einer in die Wohnung? Wer bleibt bei den Kindern? Kann man das Haus halten? Also einfach mal zu sagen: „So, wie sagt man es den Kindern?“, ist häufig nicht so ein isoliertes Problem, sondern da sind ganz viele andere Probleme, die da noch mit reinschwingen.

Was passiert, wenn man vor dem Trennungs-Gespräch scheut?

In der Folge passiert das, was in Partnerschaften eben auch häufig passiert, wenn sozusagen ein größerer Konflikt bevorsteht oder eine Situation unangenehm ist. Auf der einen Seite kann es passieren, dass das Gespräch erst mal aufgeschoben wird, man schiebt das vor sich hin, hofft, dass die Kinder das noch nicht gemerkt haben oder im schlimmsten Fall passiert es dann, dass auf einmal jemand anderes das den Kindern mitteilt in dem Glauben, sie wüssten es schon. Und die andere Situation ist natürlich - das kann entweder impulsiv oder ziemlich zeitnah passieren oder eben, weil man es zu lange aufschiebt und das dann irgendwann impulsiv raus muss, vielleicht auch aus Schuldgefühle oder anderen unguten Gefühlen den Kindern gegenüber - dass einer von beiden das einfach so raushaut, im besten Fall noch mit dem Vorwurf: „Eure Mutter trennt sich von mir.“ oder „Euer Vater trennt sich von mir.“ und damit sofort Fronten aufgebaut werden.

Dieser Punkt, dass Eltern hoffen, dass das Kind davon noch nichts weiß oder bis zu dem Gesprächsmoment und besten noch nichts weiß, ist immer sehr schwierig, weil man auch Kinder häufig da gerne unterschätzt. Kinder haben sehr große Ohren die auch durch Wände gehen sozusagen also sie haben ein gutes Feingefühl dafür, was zwischen den Eltern abläuft, wie Eltern sich fühlen und deshalb kann man eigentlich sagen, dass die Kinder fast immer das doppelte Wissen von dem, was Eltern denken, was Kinder wissen, haben, weil sie das schon gespürt haben, weil sie die Emotionen gemerkt haben, weil sie die Nebengeräusche gemerkt haben, weil sie es vielleicht im Gespräch mit Oma und Opa schon mitbekommen haben, als Mama oder Papa da mal was erwähnt haben oder Oma und Opa nochmal nachgefragt haben. Also Kinder sollte man auf keinen Fall unterschätzen und da ist es natürlich auch wichtig, wie du sagst, das Gespräch nicht immer weiter aufzuschieben und den Moment immer nach hinten zu verschieben, weil man dann in gewisse Probleme reinläuft, wie du sagst, dass das dann doch rauskommt, ohne dass man eine gute Vorbereitung hat.

Ich denke - und das erleben wir auch in den Coachings bei uns, wenn es um das Thema Trennung geht und dann letztendlich auch wie man es den Kindern sagt - das Aufschieben macht so lange eigentlich Sinn, bis man auch ein Elternpaar sein kann und möchte. Es ist ja auch häufig so, dass sich einer von beiden in der Verletztheit erstmal auf diesen Begriff „Elternpaar“ gar nicht einlassen kann, weil das Gefühl da ist: „Mit Paar ist da gar nichts.“. Und das ist etwas,, was wir häufig im Coaching erstmal herstellen dass wir die Verletzung soweit lösen, dass da wieder ein wertschätzendes Miteinander passieren kann und auch wieder der Blick auf die Kinder zurückkehren kann. Im allerschlimmsten Fall werden die Kinder noch im ganzen Trennungsgeschehen instrumentalisiert, um irgendwas durchzusetzen. Die Verletzungen sind dann so stark, dass man - auch wenn man sich das vorher immer gesagt hat, dass man das nie machen würde - den Weg dann irgendwie über die Kinder geht, nicht?

Und das ist eben so der Punkt warum wir dann auch eigentlich ganz dankbar sind, wenn jemand im Trennungsprozess noch zu uns kommt, weil man ja auch immer mal erlebt, dass ein Paar kommt und einer von beiden ist unsicher, der andere will auf jeden Fall die Beziehung noch haben und dann führt das zur Trennung, wenn die Klarheit da ist, und dann ist ein Abbruch da und dann ist da das Gefühl: „Ne, Paartherapie, Paarcoaching ist beendet, weil wir trennen uns ja.“, aber gerade die Trennung begleiten zu lassen ist ja auch total wichtig, um eben keine Prägung mitzunehmen in die nächste Beziehung, um keine Brille mitzunehmen in die nächste Beziehung und gerade dann, wenn Kinder da sind, eben Elternpaar sinnvoll bleiben zu können, die Dinge aufzuarbeiten und dann gut für die Kinder da sein zu können - das ist, denke ich, die innere Verpflichtung, Verantwortung, die man haben sollte, wenn man sich für Kinder entscheidet und so einen Weg dann auch durchzuziehen, nicht?

Und es gibt ja auch solche Sachen wie den Besitz zu klären, also Haus usw., es ist ja nicht so, dass man sich einfach trennt und sagt: „Ja, ich nehme dann mal meine drei T-Shirts mit.“ - wie man es irgendwie mit 18 gemacht hat - „Und meine Zahnbürste und gehe.“, sondern man hat ja schon sehr viele Verpflichtungen, die häufig ja über Jahre, Jahrzehnte laufen, wo es ja auch einfach drauf ankommt, jetzt noch mal schlau zusammen zu handeln. Ja, also wir haben auch schon mal Vermögenslisten geführt und aufgeteilt in der Mediation und das klappte ganz gut, vor allen Dingen, weil wir vorher Verletzungen gelöst haben, nicht?

Wir haben dazu auch einen Beitrag geschrieben: „Trennung den Kindern mitteilen: So geht’s“. Da könnt ihr eben nochmal nachlesen, wie ihr in welcher Altersstufe mit euren Kindern sprecht, wenn eine Trennung ansteht und wie das eben so schonend wie nur möglich ist, vor allen Dingen mit so viel Sicherheit wie irgendwie möglich in so einem für Kinder unsicheren Moment.

Und wenn ihr das Gefühl habt, dass euch ein Trennungs-Coaching oder auch einen Coaching, wie ihr das euren Kindern mitteilen möchtet euch weiterhelfen wird, bzw. das irgendwie bei euch ansteht, dann meldet euch gerne.

Ina ist da als Erzieherin und Pädagogin die Expertin und führt sehr regelmäßig mit Eltern Gespräche darum, wie man in den verschiedensten Altersstufen mit den Kindern darüber spricht. Weil das ist natürlich auch super spannend: Wie mach ich das, wenn der eine vielleicht 3 ist und der andere 8 oder so?
Florian
Ina
Das habe ich ganz häufig! Dann hat der eine ganz andere Bedürfnisse als der andere.
Da entstehen ganz viele Fragen: „Erzähle ich das beiden zusammen?“, „Hat früher vor später Vorrang?“, „Erzählt man das erst dem älteren Kind?“, und so weiter und so weiter. Also das sind ja sehr viele Fragen - wir könnten wahrscheinlich einen einzigen Podcast-Kanal dafür eröffnen, wie man das durchführt.
Florian

Das solltet ihr beim Gespräch beachten

Wir haben uns 5 Schritte überlegt und noch einige Tipps für das Gespräch selbst, also erstmal 5 Schritte rund um den Rahmen, den man aufbaut und dann konkrete Tipps innerhalb des Gesprächs.

Schritt 1: Macht euch Gedanken darüber, wie ihr die Trennung kommunizieren möchtet

Also wie möchtet ihr das Gespräch gestalten? Da gibt es den Leitfaden, dass es immer gut ist, wenn man zuvor als ehemaliges Paar - in dem Sinne jetzt noch Elternpaar - sich zusammensetzt und sagt:“ Wer von uns führt das Gespräch? Wer fühlt sich so in der Lage, dass er das Gespräch führen kann, also anfängt zu sprechen, das ganze Gespräch so ein bisschen kommunikativ leitet? Und wer kann der Part sein, der eher auf den äußeren Rahmen achtet? Also zum Beispiel darauf achtet: Wie reagiert das Kind / die Kinder? Wie ist die Emotion im Gesicht? Was wird gebraucht? Dass man schon mal den Armen umlegt? Wird gebraucht, dass man ein Taschentuch reicht? Wird vielleicht auch gebraucht, dass man mal kurz eine Pause macht und man sagt: So, wir machen mal kurz eine Pause, ich hole mal was zu trinken.“. Was aber wichtig ist, ist, dass man diese Rollen vorher klärt, weil sonst sitzt man da und der Erwachsene guckt den anderen und sagt: „Willst du jetzt?“ Wie du schon sagtest: Das Hauptaugenmerk ist auf Sicherheit. Das ist keine Sicherheit, wenn ich nicht weiß, wer jetzt dran ist mit Sprechen und wer jetzt mal dran ist, in den Arm zu nehmen.

Das ist für viele immer schwer, das erarbeiten wir auch im Coaching sehr regelmäßig, wer welche Rolle einnimmt und wer sich auch in welcher Rolle wohlfühlt - das ist auch ganz wichtig. Der eine sagt: Ist das jetzt doof für dich, wenn ich jetzt nicht spreche, kannst du das eher übernehmen? Und ganz häufig sagt der andere: „Klar, ich hätte jetzt aber gedacht, du willst.“. Und da muss man auch ehrlich zu sich sein und sagen: „Mir würde es jetzt eher schwerfallen.“.

Das ist das erste, also wie kann man das Gespräch gestalten? Das Gespräch aktiv vorbereiten, also sich Gedanken zu machen: „Wie wollen wir das denn machen? Wollen wir das den Kindern zusammen sagen?“. Und wie alt sind die Kinder? Hat man einen Dreijährigen da sitzen und eine Sechsjährige - oder ein noch weiterer Abstand. Darüber zu sprechen: Wie fühlt sich das für die Eltern gut an? Das ist ganz individuell, man kennt ja seine Kinder selbst am besten. Natürlich würde man das, wenn das Alter weiter auseinander liegt, trennen, weil die Emotionen so komplett unterschiedlich sind und die Fragen kognitiv auch komplett anders sind. Die Informationen, die ein Achtjähriger braucht, braucht der Dreijährige auf jeden Fall nicht. Das bespricht man halt einfach, sodass immer das Elternpaar sich einig ist und sagt: „Ah okay, ja, lass uns das so machen.“.

Ja und eben vorab über schwierige Fragen Gedanken machen - oder was könnten die Fragen sein? - und sich dann die Antworten gemeinsam zurechtlegen, die man eben auch gemeinsam vertreten kann. Also schwierige Fragen könnten sowas sein wie: „Liebt ihr euch jetzt gar nicht mehr?“ oder „Hasst Mama jetzt Papa?“, „Darf Papa jetzt gar nicht mehr ins Haus kommen?“, „Hab ich Schuld als Kind?“. Kinder stellen manchmal auch Fragen, die so ein bisschen quer sind, sowas wie „Werde ich jetzt alle meine Freunde verlieren?“ - so ganz abstrakt, wo man immer denkt: „Hä? Wie kommst du denn jetzt darauf?“. Aber das ist halt das, was für das Kind wichtig ist.

Kann auch sowas sein wie: „Werdet ihr wieder als Paar zusammenkommen?“. Also alles Fragen, wo man selber denkt: „Oh, da steigt jetzt ein Unwohlsein auf.“ Weil man denkt: „Hmm.“. Oder was auch gefragt wird, wenn das Kind jetzt zu Mama spricht: „Mama, hast du Papa noch lieb?“. Das ist auch eine Frage, wenn man gerade frisch getrennt ist, die nicht immer so leicht - wenn man vielleicht gerade eine große Verletzung hatte - auszusprechen ist. Genau, da spricht man vorher drüber, das ist immer auch - da kommen wir später drauf zurück – wichtig, dass man in einem Wir-Gefühl vor den Kinder spricht und das geht halt nur, wenn die Antworten vorher besprochen sind.

Schritt 2: Vereinbart einen Termin für das Gespräch

Also nicht mit den Kindern, sondern ihr als Eltern. Dass ihr euch anschaut: Wann wäre ein guter Rahmen, ausreichend Zeit und so weiter. Und das soll eben nicht zwischen Tür und Angel passieren, sondern das sollte entsprechend vorbereitet werden. Vielleicht ist auch gut, dass eben auch noch ein bisschen Zeit ist, dass man das nicht am Abend macht, kurz bevor man schlafen geh oder so. Da gibt es so ein bisschen diese Grundsatzregel, dass man sagt, der Nachmittag mit einer Stunde zum Abendessen mindestens bietet das ganz gut an. Also dass man die Kinder von Schule / Kita wo auch immer erstmal rauskommen lässt, dass sie nochmal etwas snacken, etwas zur Ruhe kommen, dass man jetzt nicht gerade frisch vom Spielplatz kommt und dann die ganze Energie gerade schon raus ist, sondern dass man so einen ruhigen Nachmittag abpasst, aber halt noch mit einem großen Abstand zum Abendessen. Weil was halt wahrscheinlich der Fall ist, ist, dass Emotionen hochkommen. Die können halt auch verspätet hochkommen, nicht in dem Moment, aber dass man halt den Abstand zum Schlafen vor allen Dingen hat, gerade bei kleinen Kindern.

Und welchen Tag würdest du wählen? Einen Freitag, damit man das Wochenende danach hat? Ich würde auf jeden Fall kein Montag wählen. Also tendenziell einen Donnerstag, Freitag. Das muss natürlich passen, das ist jetzt alles sehr theoretisch, das muss mit den Eltern natürlich auch passen, wenn ich jetzt jemanden hab, der das nicht hinkriegt am Donnerstag, Freitag aus Gründen, vielleicht an einem Samstag, aber wie gesagt jetzt nicht Anfang der Woche, weil - damit greife ich vielleicht schon ein wenig vor - es ja auch wichtig ist, dass andere Personen, die eng mit dem Kind verbunden sind, auch das Wissen darüber haben. Das ist nämlich total doof, wenn man am Sonntagnachmittag dem Kind jetzt sagen würde, was passiert und es ist total durch den Wind, geht aber am Montagmorgen in die Kita / in die Schule und da sitzt die Erzieherin / der Erzieher oder der Lehrer / die Lehrerin und denkt so: „Was ist mit diesem Kind los?“. Also weil das Kind noch völlig fahrig ist und sich ganz viele Gedanken macht.

Das heißt, man gibt ja auch ein bisschen die Verantwortung ab, was nicht ganz fair ist, weil im besten Fall gibt man Wissen auch in den Kindergarten / in die Schule. Natürlich bedarf es da jetzt keiner Rechtfertigung oder den intimsten Gründe, warum was ist, aber man teilt halt dann mit, wie der Stand emotional beim Kind ist, damit es natürlich nicht dahingehend läuft, dass dann der Erzieher / die Erzieherin sagt: „Mensch, reiß dich doch mal zusammen, setzt dich doch mal ordentlich und warum bist du denn so aufgeregt?“ oder „Warum bist du denn jetzt so traurig?“, sondern vielleicht auch anders reagiert mit dem Wissen: „Ah, okay, ich hab das Hintergrundwissen, da bin ich mal ein bisschen liebevoller unterwegs.“.

Schritt 3: Bereitet euer Kind / eure Kinder auf die Trennung vor

Da geht es so ein bisschen um die liebevolle Atmosphäre, einfühlsam sein, Verständnis zeigen, Zeit lassen, Sicherheit geben. Also das auch auf das Gespräch bezogen: Nimmt eine schöne Atmosphäre, das sollte jetzt kein Tür-und-Angel-Gespräch sein, man darf sich dann auch aufs Bett setzen, auf die Couch setzen. Die Kinder sollten nicht das Gefühl haben, dass es jetzt abgehetzt ist, sondern dass auch Zeit ist für Fragen, dass alles sein darf. Und da die Sicherheit auch geben, damit ist zum Beispiel auch gemeint – das müsste man natürlich vorher als Elternpaar klären – Wie ist die Zeit nach dem Gespräch? Also geht Papa oder Mama danach dann gleich? Oder kann man danach – und das sag ich immer, wäre ganz schön - nochmal eine Stunde zusammen verbringen? Da tut es auch gut nochmal bei kleineren Kindern, komplett was anderes zu machen. Also kann man nochmal zusammen vielleicht in den Garten gehen oder ein Spiel zusammen spielen? Dass man irgendwie noch mal dieses Gefühl von Sicherheit für das Kind nochmal zusammen als Familie schafft.

Das wird ja sicherlich auch häufig in mehreren Schritten passieren, dass man das erste Mal das Gespräch hatte, aber dann verändert sich wieder etwas, dann kommt das nächste Gespräch darüber, also das werden ja viele Erklärungs-Gespräche sein, wo oftmals neue Fragen kommen. Und da sich immer wieder offen zu zeigen und immer wieder auf das Kind zuzugehen oder eben offen zu sein, dass das Kind auf einen selbst zugehen kann, ist glaube ich total wichtig.

Und da ist auch wichtig: Alle Gefühle dürfen sein. Die meisten Menschen haben Angst, dass die Kinder anfangen zu weinen in so einem Gespräch. Aber auch Wut kann eine Rolle sein, dass das Kind sagt: „Ich finde das total doof, dass ihr euch trennt! Warum? Ihr macht mir alles kaputt!“. Das ist auch so eine Sache bei älteren Kindern, die am Anfang der Pubertät sind, dass sie sagen: „Nee, das ist ja doof, da müssen wir bestimmt ausziehen!“. Also dass auch ganz viel Wut kommt, aber alles darf sein, weil in einer Trennungssituation, finde ich, wird auch so ein bisschen das Machtgefälle wieder klar. Die Eltern entscheiden, was ja auch deren gutes Recht ist, aber die Kinder müssen sich dem eigentlich fügen. Sie müssen die Konsequenzen eben mittragen. Genau, aber sie spüren ja eine Konsequenz, es ist ja nicht so, dass das für sie keine Auswirkungen hat. Sie müssen die Konsequenz dafür tragen, dass die Eltern nicht mehr als Liebespaar zusammen sein wollen.

Und Wut begleiten oder Traurigkeit begleiten heißt halt auch, das auszuhalten. Und das ist schwer oder kann super schwer sein, aber da ist es so wichtig, dass nicht gleich so runter zu machen wie: „Ja, es ist doch auch gut und du wirst doch schon sehen, das wird alles super werden.“, aber das weißt du ja gar nicht. Natürlich, Sicherheit zu bieten, aber das auch nicht gleich so klein zu machen, sondern sagen: „Du darfst auch wütend und traurig sein, das ist okay.“.

Das ist glaube ich ein natürlicher Reflex bei vielen, aus der eigenen Kindheit heraus: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ und „Bis du verheiratet bist, ist alles wieder gut.“ und all die ganzen Sprüche, auch in der Hoffnung, dass die Emotionen schnell wieder aufhören. Aber wenn die Emotionen schnell aufhören sollen, ist eben auch die Gefahr groß, dass etwas zurückbleibt und sich eben festsetzt. Und das ist eben auch genau der Grund, warum es wichtig ist, zu schauen, dass man selber da nicht zu sehr angetriggert wird und wenn man merkt, man hat da aus der eigenen Kindheit noch ein Thema mit der Trennung der Eltern offen, ist das nicht gut. Dann ist es gut, da ran zu gehen an dieses Ding. Auf der anderen Seite ist eben, die Verletzung zwischen euch als Paar oder als Elternpaar so gut wie möglich gelöst zu haben, um eben Wut und Traurigkeit der Kinder aushalten / begleiten zu können. Traurigkeit verarbeitet man durch Umarmen, wenn die Kinder das machen wollen. Und einfach die Traurigkeit zulassen. Man kann natürlich auch selber sagen, dass man auch traurig darüber ist.

Da ist natürlich eine Gefahr drin, wenn das Kind sagt: „Ich bin so traurig.“ und der Part, der due Trennung vielleicht nicht wollte – das weiß das Kind ja nicht – sagt: „ Ja, ich bin auch traurig.“, dass der Dritte dann da sitzt und sagt: „Ja super, jetzt sind alle beide traurig und ich bin der/die Schuldige.“. Deswegen stimmt man das vorher ab, dass eben auch der Dritte, der da sitzt, auch traurig ist. Es wäre ja auch unnatürlich, wenn man nicht traurig darüber ist, dass man seinem Kind mitteilen muss, dass sich das Liebespaar trennt. Und auch, dass eben diese Liebespaartrennung erfolgt, macht ja auch immer eine Traurigkeit.

Was natürlich im nächsten Schritt wichtig ist, ist, dass niemals die Situation entsteht, dass das Kind das Gefühl hat, es müsste die Eltern trösten und die Rollen vertauscht werde, sondern dass das Kind immer Kind bleibt und das Kind in seinen Emotionen gesehen und begleitet wird, und nicht, dass die Kinder später die Eltern begleiten. Das ist eine Gefahr. Und da ist wieder der Punkt, man muss das selber gut verarbeitet haben, dass man eben aussprechen kann: „Mich macht das auch traurig.“. Und das ist sicherlich auch nicht schlimm, wenn auch mal eine Träne runterfließt, aber da muss trotzdem noch das Gefühl sein, dass ich derjenige bin, der die Kinder immer noch begleiten kann.

Schritt 4: Gebt einen kleinen Ausblick auf die Zukunft

Ein kleiner Ausblick das ist genauso gemeint also ist natürlich schon wichtig auch da wieder im Rahmen der Sicherheit Kind aufzuzeigen wie es jetzt in ganz naher Zukunft weitergeht aber eben nicht zu detailliert und vor allen Dingen nicht zu viele Details die gerade für kleine Kinder wann sind absolut haben wir häufig eine ganz andere Vorstellung davon was gebraucht wird und was dann tatsächlich eigentlich gebraucht wird für den Moment.

Da hatte ich auch letztens ein Paar - da ging es um ein dreijähriges Kind – wo die beiden natürlich in ihrer positiven Absicht sehr viel Transparenz zeigen wollten, also die hatten das den Kindern schon gesagt und dann waren sie bei uns im Coaching und dann gesagt, sie haben ganz viel überlegt, wie sie das dem Kind sagen, haben sich mit dem Kind zusammengesetzt, waren natürlich auch stolz drauf und haben das dann mal erklärt. Da waren aber ganz viele Informationen, wo man denkt: „Der Kleine ist 3 Jahre, für den ist das jetzt nicht so wichtig, zu wissen, dass Papa durch den Umzug dann auch die Arbeit wechselt und was das für Konsequenzen für Mama hat und dass Mama den dann aber bei der Kita so und so abholt“. Das ist viel zu viel.

Also es soll nicht so sein, dass man das Gefühl hat, die Kinder müssten jetzt einen Block rausholen und erstmal mitschreiben. Dann ist das zu viel. Meistens brauchen Kinder viel weniger Informationen, weil für die ist erstmal das Thema Sicherheit wichtig. Also: „Was verändert sich für mich konkret? Muss ich jetzt ausziehen? Bleibe ich hier wohnen? Wer bleibt hier als sichere Person? Gehe ich noch weiterhin zur Schule? / Gehe ich noch weiterhin zur Kita? Habe ich meine Freunde noch? Haben wir noch was zu essen? Bleiben die Haustiere?“. Sowas ist für Kinder wichtig. „Wann sehe ich Mama wieder? / Wann sehe ich Papa wieder?“ – dass das geklärt ist.

Da haben wir ja das typische „Emotionen vor Sachebene“, nicht? Es geht jetzt in diesem ersten Schritt darum, die Emotionen zu begleiten und erstmal die Klarheit herzustellen und dann kann man eben schauen, welche Fragen und welche Dinge sind noch offen? Und dann hat man ja auch manchmal eben Kinder, die fragen da nicht viel zu, andere Kinder sind total wissbegierig, vielleicht von Haus aus, und fragen auf einmal ganz viel. Dann ist da noch die Frage: Welche Vorerfahrungen haben die schon? Also haben sich in der Schule / in der Kita schon Eltern von anderen Kindern getrennt? Haben die etwas berichtet? Haben die vielleicht dadurch schon gewisse Ängste? Also dass da irgendwas ist – vielleicht hat die Schulfreundin erzählt, dass sie nur noch alle paar Wochen zu Papa darf und das ganz gruselig und grausam ist, die streiten sich nur noch. Und man denkt jetzt: „Wird das jetzt so wie bei denen werden?“. Also das sind dann ja so Sachen, die dann vielleicht auch hochkommen, nicht?

Also das wisst ihr ja vielleicht auch, das haben ja die Kinder erzählt: Was für Erfahrungen haben die schon mit Trennungen anderer Eltern und den entsprechenden Kindern? Was haben die da berichtet? Und man sollte auch nur das erzählen, was man wirklich schon für sich weiß. Also das ist auch immer so die Gefahr, wenn man sagt: „Ja und Papa wohnt dann in einer Wohnung.“. Aber Papa hat vielleicht noch gar keine Wohnung und wohnt noch bei einem Kumpel. Für ein Kind ist das dann so: „Ah, Papa wohnt in einer Wohnung – Kann ich Papa denn nächste Woche besuchen, bei ihm schlafen?“ – „Ähh, nee, Papa hat ja noch gar keine Wohnung, erst in Zukunft.“. Das ist viel zu kompliziert.

Schritt 5: Seid für euer Kind / eure Kinder da

Bietet an, dass ihr jeder Zeit gerne zum Reden bereit seid, gerne zuhört. Also ganz aktiv auch immer wieder bei Veränderungen das ganze anbieten und dann die unguten Gefühle nachhaltig zu verarbeiten. Dass das mit einem Gespräch klappt, das wäre utopisch, sondern das braucht schon mehrere Gespräche. Denn auch wenn – du sagtest ja schon – Kinder das feinfühlig vielleicht spüren, dass da was ist, so ist es ja etwas anderes, das gesagt zu bekommen und dann die Realität vor Augen zu haben und ihr als Eltern habt euch damit ja normalerweise schon über Monate beschäftigt und das nach und nach gelöst und wachst ja auch irgendwie in diese Trennungssituation nach und nach rein. Also die wenigsten gucken sich irgendwann an, waren zuvor eigentlich recht zufrieden und sagen: „Ja, wir trennen uns dann mal.“ und dann geht es ab morgen auf einmal in die Richtung, sondern das bahnt sich ja an, nicht? So wie man am Arbeitsplatz ja auch innerlich kündigt und sich drauf vorbereitet, sich neu bewirbt, das ist ja auch ein Prozess. Und so ist das hier ja meistens auch.

Das ist vielleicht auch noch zu erwähnen, dass es wichtig ist, dass wie gesagt alle Gefühle sein dürfen und auch die unguten Gefühle, die du angesprochen hast, unterschiedlich verarbeitet werden. Also es kann sein, dass manche Kinder bei dem Gespräch weinen, dass sie wütend sind. Es kann auch sein, dass sie gar nichts sagen, keine Fragen haben, gar nicht reagieren, wo man sagt: „Oh, ist mein Kind jetzt total empathisch?“ – Nee, das ist auch eine Form von Reaktion. Es kann sein, dass die Fragen einen Tag später kommen, am Abend kommen, mitten in der Nacht, muss aber nicht. Es kann auch sein, dass das Kind sich ganz anders äußert, dass es Schlafstörungen entwickelt, also sehr schlecht schläft, unruhig ist nachts, Appetitlosigkeit. Was auch manchmal ist, ist, dass es wieder zu einem Rückschritt kommt, also dass mehr Nähe gesucht wird zu der Person oder zu einem engen Elternteil. Es kann auch sein, dass Kinder wütend reagieren. Jetzt gar nicht mal bezogen auf die Situation, sondern dass sie allgemein gereizter sind.

Deswegen ist es halt auch wichtig, dass man das Kind allgemein beobachtet und auch andere Leute mit ins Boot holt - also Kindergarten, Schule, Tante, Onkel, Oma, Opa. Da, wo es für einen stimmig ist, aber dass man das Kind nicht so in dem Verhalten in eine Richtung laufen lässt und jeder wundert sich. Ja, da nennst du ja auch meistens die unparteiischen Bezugspersonen, nicht? Also Tante und Onkel, Oma.

Genau, irgendwer, der regelmäßig viel Zeit mit dem Kind verbringt. Jemand der das Kind zum Beispiel regelmäßig am Nachmittag sieht oder von der Kita abholt, am Wochenende sieht, wo man weiß, das Kind / die Kinder haben zu dieser Person Vertrauen aufgebaut. Diese Person spricht man vor dem Gespräch an und holt sie sozusagen mit ins Boot, fragt ob das in Ordnung ist, als neutrale dritte Person für das Kind zur Verfügung zu stehen - die meisten sind dafür bereit. Da ist es auch wichtig, dass die dritte Person auch über die Funktion Bescheid weiß, also dass die Person als Ansprechpartner für das Kind gilt. Das heißt, es ist auch eine Verantwortung, dass man nicht schlecht über den einen oder anderen Elternteil spricht, sondern dass sie einfach eine Person ist, die das Gefühl vom Kind auffängt, vielleicht die Fragen auffängt, die das Kind nicht direkt an Mama oder Papa stellen mag, weil dann ein ungutes Gefühl entsteht. Dann kann man Oma lieber ansprechen und sagt: „Mensch Oma, was glaubst du denn, wie ist das denn? Wann zieht Papa denn aus? Und das würde man dann in diesem Gespräch auch dem Kind sagen – das hört sich jetzt ein bisschen abstrakt und theoretisch an – „Du, ich wollte dir noch sagen, Oma blablabla weiß auch, dass wir uns trennen, das ist jetzt auch kein Geheimnis“ - das ist auch immer wichtig, dass die Kinder wissen, dass es kein Geheimnis ist – „Und du darfst jederzeit zu ihr gehen und Fragen stellen und mit ihr darüber sprechen und ihr auch sagen, wenn du dich nicht gut fühlst - das ist für uns in Ordnung.“. Um mal so ein bisschen den Druck auf das Kind in dieser Situation zu nehmen, eine weitere gute Person zu haben, die das auffangen kann.

Tipps für das Trennungsgespräch

Tipp 1: Trennung vorm Kind als Elternpaar aussprechen und nicht alleine

Das heißt, es ist im besten Fall ein Dreier-/Vierergespräch, je nach dem, wie viele Kinder man hat. Dann hatten wir natürlich auch gesagt, auf die Altersabstufung achten: Es ist nicht gut, zu sehr zu mischen. Weil ein Kind von 3 Jahren hat eine Aufmerksamkeitsspanne von 5-10 Minuten und der Achtjährige hat noch mehr Fragen. Aber es ist immer gut, wenn Mama und Papa dabei sind und man nicht das Gespräch alleine sucht. Weil dann entsteht auch schnell das Gefühl: „Ist das jetzt wieder ein Geheimnis? Warum ist Mama/Papa jetzt nicht mit dabei? Reden wir schlecht über die Person?“. Das muss ja nicht sein.

Tipp 2: Das Gespräch in bekannter Umgebung führen

Mit Kindern führt man solche Gespräche nicht in einem Restaurant, in einem Café, in einer Eisdiele, sondern im besten Fall in einer sicheren Umgebung: Zuhause,  im Zimmer, in der Wohnstube.

Tipp 3: Blickkontakt zum Kind halten

Das vermittelt Sicherheit und Stabilität

Tipp 4: Zeigt, dass ihr zwei kein Liebespaar mehr seid, aber immer ein Elternpaar bleiben werdet

Das haben wir schon gesagt, kann man dann auch dem Kind nochmal vermitteln: Die Familie bleibt, nur dass sich eben gewisse Rahmenbedingungen verändern und dass eben das Liebespaar so nicht mehr da ist, aber dass man sich noch lieb hat sozusagen, dass man sich noch gerne mag. Da wäre das, dass man - zu einem ganz kleinen Kind zum Beispiel 3 oder 4 Jahre – sagt: „Papa bleibt immer dein Papa und ich als deine Mama, bleib immer deine Mama.“.

Tipp 5: Vermittelt Liebe und Geborgenheit

Versucht ungute Gefühle von eurem Kind zu nehmen, dass dem Kind klar ist, weiterhin geliebt zu sein. Die Schuldfrage klären, dass das Kind keine Schuld / Verantwortung trägt – also Kind sein lassen. Und ungute Gefühle von dem Kind nehmen ist eben begleiten, Verantwortung übernehmen. Man kann sich auch für die Wut, für die Traurigkeit, die entsteht, entschuldigen, weil die hat man ja verursacht.

Genau und wenn es einen Elternteil gibt, der mit der Trennung schwer zu kämpfen hat, dass man dem Kind auch ein bisschen Sicherheit vermittelt. Da könnte man dann sowas sagen, wenn das Kind sagt: „Oh, Papa geht es dir jetzt so schlecht?“, dass man dann als Papa sagt: „Ja, das ist gerade für mich keine leichte Situation,“, wenn das jetzt ein älteres Kind fragt, „aber ich kümmere mich um mich. Ich habe Freunde, mit denen spreche ich oder mit meinen Eltern.“. Also dass man dem Kind auch konkret sagt: „Halt stopp, du bist Kind, du musst dich jetzt nicht um mich kümmern, ich komme klar.“.

Tipp 6: Nennt die Trennungsgründe nicht

Da ist es so, dass man natürlich so ein bisschen aufpassen muss, wie detailliert macht man das. Das ist je nach Altersstufe ganz unterschiedlich. Es gibt natürlich auch Grenzen, wo man sagt, das gehört jetzt nicht mehr zu den Kindern, weil man dann vielleicht Lasten an die Kinder überträgt, die da nicht hingehören, nicht?

Ein Beispiel, das hatte ich auch schon mal im Coaching, das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen komisch an: Alles sexuelle hat für Kinder keine Relevanz. Das ist einfach ein Wissen, das muss nicht beim Kind landen. Wenn einer fremdgegangen ist, gerade wenn das auch Personen sind, die das Kind vielleicht kennt, also im Freundes- oder Bekanntenkreis, muss man das Kind auch ein bisschen schützen, weil Kinder untereinander können sonst auch ganz schön gemein sein.

Tipp 7: Vorwürfe und Anschuldigungen unterlassen, nicht schlecht voneinander reden

Das ist ja so ein grundsätzliches Thema, was dann später auch gebraucht wird, damit vielleicht zukünftige Patchwork-Konstellationen und so weiter funktionieren sollen. Aber dieses nicht schlecht voneinander reden, keine Anschuldigungen, das ist halt wichtig und im besten Fall schafft ihr es eben, im Wir-Gefühl da zu sein als Elternpaar, dass man eben schon durch das Aussprechen „Wir trennen uns voneinander.“ eine Einheitlichkeit, einen gemeinsamen Willen sozusagen formuliert und nicht „Papa trennt sich von mir.“ Oder „Mama trennt sich von mir.“, sondern „Wir trennen uns.“, um auch da gar nicht diese Opfer-Täter-Situation herzustellen, dass Papa der Schlechte ist, Mama die Böse, wie auch immer, sondern, dass da ein Wir entsteht. Das ist immer nicht ganz einfach, man muss vorher einiges verarbeitet haben, aber das wäre halt der optimale Fall.

Da habe ich eine ganz schöne Erinnerung an ein Coaching: Da konnte er am Anfang ganz schwer loslassen, aber die Rolle des Elternpaars ist von ihm richtig gut angenommen worden, er hat sehr viel an sich gearbeitet, für sich getan und - das fand ich sehr beeindruckend – als das Kind gesagt hat: „Liebst du Mama denn nicht mehr?“ da hat er gesagt: „Ne, Mama und ich haben uns getrennt, wir sind kein Liebespaar mehr, ich hab deine Mutter aber immer noch gerne, sie ist immer noch ein wichtiger Mensch, weil ich habe coole Sachen mit ihr erlebt. Und weißt du, was das coole ist? Die Mama ist so cool und die dürfen wir beide behalten – du als Mama und ich als gute Freundin.“. Das zeigt sehr viel Stärke, also zu sagen: „Du hast eine coole Mutter und die ist ja auch nicht weg, sondern die bleibt bestehen.“. Und die Wertschätzung dann auf Elternpaar-Ebene rüberzubringen, aber auch ganz klar zu sagen, da ist keine Liebe mehr, aber es ist nicht alles schlecht gewesen, nicht?

Daran seht ihr, dass eben dieser Weg im Coaching ganz häufig absolut sinnvoll ist, denn nicht viele Paare, die sich trennen und das einfach so für sich machen, sind glaube ich in so einer Haltung und Position, das so aussprechen zu können und das auch zu meinen. Das ist ja auch der Punkt, das einfach nur aussprechen, aber am Ende nicht leben, weil man sich dann doch vielleicht nicht angucken mag oder so - das passt auch nicht.

Was ich noch ergänzen möchte: Was da so schön war: Die hatten zwei Kinder, ein kleineres Kind, 3 oder 4 habe ich in Erinnerung, und eine ältere Tochter, die war irgendwie 10 und der Vater, ich hatte die nochmal ein halbes Jahr später im Coaching, hat sogar zu dem Geburtstag der Mutter und zum Muttertag immer noch etwas gekauft - von dem kleineren Kind, das ältere hat immer schon selber etwas gemacht – und da haben ganz viele im Freundes- und Bekanntenkreis gesagt: „Wie kannst du das machen?“, weil es auch eine nicht gerade schöne Trennung war, also von ihrer Seite aus ist schon etwas passiert, was sehr verletzend war. Und dann hat er gesagt: „Ich schenke ja nicht meiner Exfrau etwas, sondern ich besorge etwas für meinen Sohn, was für die Mutter ist.“. Und aus dieser Rolle heraus hat er damit gar kein Problem, weil er sie in ihrer Mutter-Rolle ja wertschätzt und gut findet. Fand ich schon sehr beeindruckend.

Tipp 8: Stellt euch auf unterschiedliche Reaktionen ein

Guckt, dass ihr mehrere Situationen durchspielt. Das kann sein, dass euer Kind abblockt, das kann sein, dass das Kind Zeit für sich braucht, das kann sein, dass das Kind anfängt darum zu betteln, dass ihr doch zusammenbleibt. Also es können ganz verschiedene Situationen entstehen, die, je besser sie vorbereitet sind und abgestimmt sind, umso sicherer für das Kind ablaufen können. Darauf können wir natürlich nochmal im Coaching eingehen. Da würde ich dann auch fragen: „Wie ist so der Charakter von eurem Kind? Was denkt ihr, was passiert?“. Da kann man natürlich vorher schon ein bisschen was erarbeiten.

Dann den Raum geben, um ungute Gefühle zu äußern, auch über Ängste zu sprechen und diese entsprechend zu lösen. Das hatten wir ja auch schon vorhin als Punkt. Auch da kann man sich natürlich vorab überlegen, was die Ängste sein könnten. Das hatte ich ja auch schon gesagt, dass man vielleicht mal schaut: „Was für Erfahrungen gibt es schon im Umfeld mit anderen Trennungen? Haben Kinder da schon mal etwas mitbekommen, gehört?“. Daraus resultieren natürlich häufig Ängste, wenn das nicht gut bei anderen gelaufen ist, dass das bei einem selber genauso läuft. Vielleicht hat sich bei eine/r Freund/in in der Schule die Eltern getrennt, auf einmal musste man die Schule wechseln. Dann weiß man eben schon aus solchen Situationen heraus, wenn man sich daran erinnert, was so Fragen sein könnten, die da auftreten.

Tipp 9: Versucht in der Zeit danach,Stabilität in den Alltag zu integrieren und verlässliche Routinen aufzubauen

Das ist natürlich manchmal, wenn das Leben in Veränderung ist, gar nicht so leicht, weil der eine vielleicht seinen Umzug plant und man weiß noch nicht: „Kann ich hier wohnen bleiben?“. Das muss man immer so ein bisschen individuell schauen. Aber verlässliche Routinen können auch Kleinigkeiten sein. Kann man vielleicht ein neues sicheres Abendritual einführen, was beide vielleicht ausüben, wenn sie Zeit mit dem Kind verbringen? Also: „Wir puzzeln nochmal, bevor wir ins Bett gehen oder wir hören nochmal ein Hörspiel zusammen.“. Irgendetwas, was das Kind sehr gerne macht, dass man das regelmäßig in den Alltag einbaut.

Tipp 10: Legt Umgangsregeln fest, damit euer Kind weiß, wann es bei welchem Elternteil ist

Das ist ja schon so ein bisschen weiter gegriffen, also wenn es wirklich klar ist, dass einer jetzt ausgezogen ist: Wie soll der Umgang geregelt werden? Das ist natürlich wieder ein mega Thema, was wir jetzt eigentlich anschneiden. Kurzgefasst ist es eigentlich nur wichtig, das Kind mitzunehmen. Wir lassen jetzt mal den ganzen Part beiseite, welches Umgangsmodell das Beste ist oder das was den Kindern den meisten Vorteil mitbringt. Fakt ist aber, dass die Kinder mitgenommen werden müssen. Das ist schön, wenn man das schafft zu visualisieren: „An welchem Tag ist Papa da, an welchem Tag ist Mama da, an welchem Tag ist Oma da?“, damit Kinder nicht in die Unsicherheit kommen und sagen: „Ich verstehe jetzt gar nicht mehr wo ich bin, darf ich mich noch verabreden oder was ist jetzt heute?“, sondern dass sie selbstständig aufs Board zum Beispiel gucken können, wo Magnete drauf sind und dann sehen: Wie läuft das so ab?

Das waren viele Tipps.
Florian
Ina
Oh ja, ich könnte noch weiterreden, weil mir noch so viele Sachen einfallen!
Dann würde ich sagen, wenn das spannend ist, machen wir dazu nochmal einen zweiten Teil, wo du all das, was dir gerade einfällt und du nicht mehr unterbringen konntest, nochmal teilen kannst.
Florian
Ina
Man könnte jetzt auch nochmal einen einzelnen Fall erzählen, in welchen Konstellationen zum Beispiel die Kinder waren, was das Problem war und wie die Eltern das konkret gelöst haben.
Klingt gut!
Florian
Ina
Aber das war’s jetzt erstmal für diese Folge.

Fazit

Das war jetzt sehr viel, falls ihr jetzt gerade in der U-Bahn oder im Auto unterwegs wart und habt das nebenbei gehört. Dann könnt ihr es ja wie gesagt bei uns im Blog auch nochmal nachlesen, da habt ihr es dann nochmal schriftlich, also braucht ihr euch die Punkte nicht rausschreiben. Und wenn ihr das Gefühl habt, ihr steht jetzt kurz vor einer Trennung oder habt die Trennung schon ausgesprochen und wollt den Weg irgendwie begleitet wissen, damit das ganze eben auch vernünftig läuft, dann meldet euch bei uns und dann helfen wir euch im Coaching sehr gerne weiter. Ansonsten folgt uns bei Instagram, hört unseren Podcast, lasst einen Kommentar oder einen Like da – wir freuen uns immer.

Vielen Dank! Bis bald!

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