Podcast: Konflikte lösen - Schritt für Schritt

liebevoll verfasst von 
Florian
veröffentlicht am 9. Dezember 2020 in der Kategorie ,
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So löst du Konflikte richtig!

Das kennt doch bestimmt jeder: Man streitet mit dem Partner und weiß nicht, wie man zu einer Lösung finden soll. Wie kann man einen Konflikt so lösen, dass beide Partner zufrieden gestellt werden?

Es ist wichtig, dass man einen Konflikt vernünftig löst, weil die Partnerschaft durch ungelöste Konflikte dauerhaft belastet wird.

In dieser Folge möchten wir euch also zeigen, wie ihr einen Konflikt lösen könnt. Denn beachtet man bestimmte Schritte, ist der Weg hin zu einer Versöhnung viel angenehmer und weniger schwer.

Wir thematisieren Punkte wie das Respektieren anderer Meinungen, Kompromissbereitschaft und eine ausführlichere Analyse der Streitsituation und zeigen dir, wie ihr einer Lösung mit diesen Schritten näher kommen könnt. Dadurch könnt ihr in Zukunft ein Streitgespräch führen, das euch wirklich weiterbringt!

Dich interessiert dieses Thema? Dann hör dir gerne unsere bisherigen Folgen zu dem Thema „Konflikte lösen“ an. In der letzten Folge reden wir zum Beispiel darüber, wie man ein Streitgespräch richtig führt.

Unterhalb findet ihr das Transkript dieser Folge.

Herzlich Willkommen zu einem weiteren Podcast der Lebenslisten. Mein Name ist Florian, ich bin Ina, wir sind Coaches und Paartherapeuten und möchten heute mit euch das Thema „Konflikte richtig und nachhaltig lösen“ genauer ansehen. 

In letzten Podcast-Folgen haben wir über die Ursachen von Konflikten gesprochen, wir haben uns kurzfristige Strategien angeschaut, wie können wir einen Streit oder einen Konflikt nicht so stark eskalieren lassen, wie können wir mit verschiedenen Umgehensweisen mit Konflikten umgehen. Also wenn jemand zum Beispiel eher flieht oder eher in den Angriffsmodus geht. Wir haben immer wieder darüber gesprochen, dass es halt notwendig ist einen Konflikt nachhaltig zu lösen. Jetzt wollen wir uns mal näher ansehen, was heißt denn nachhaltig lösen? Und vielleicht ist die erste Frage, was Nachhaltigkeit bei einem Konflikt überhaupt heißt.

Was bedeutet es, einen Konflikt nachhaltig zu lösen?

Nachhaltigkeit, glaube ich, heißt für mich in einem Konflikt, dass ich das Gefühl habe ich kann etwas selbstständig lösen, über längere Sicht gesehen. Also, dass ich keine Lasten mittrage aus anderen Streitigkeiten. Sondern dass wenn ich einen Konflikt gelöst habe, ich mit einem guten Gefühl rausgehen kann, dass das nicht mehr zwischen mir und meinem Partner steht und es nicht dazu kommt, dass ich nach einer gewissen Zeit zu so einem Rundumschlag komme und die Sachen wieder aufgewärmt werden, die vor drei Jahren passiert sind, weil das irgendwie doch noch so in mir drin schlummerte und wenn ich dann mit Freunden oder Freundinnen spreche oder wenn man in größeren Runden ist und dann kommt das Thema hervor und das triggert mich so an, weil ich das Gefühl habe, das habe ich auch in der Partnerschaft erlebt und das beschäftigt mich immer wieder. Das kommt so in schlechten Phasen im Leben, wenn man viel ins Grübeln kommt immer wieder hervor. Das wäre für mich nicht nachhaltig. Sondern, dass ich ein befreiendes Gefühl habe, dass ich ein gutes harmonisches Gefühl zu meinem Partner.

Genau, also kurz zusammengefasst ist es einfach, dass das Gefühl, was dabei entstanden ist, das ungute Gefühl, auch rückblickend nicht mehr hochkommt. Also schau ich nochmal auf diesen Konflikt, der mal war, dann macht er kein ungutes Gefühl mehr und ich bin mit einem guten Gefühl am Ende rausgegangen. Und vor allen Dingen - das Thema werden wir uns noch ein bisschen genauer ansehen - es hat bei mir keine neue Brille geformt oder meine Brille zum Partner verändert. Das heißt, ich habe jetzt kein Schubladendenken bekommen in Richtung „alles klar, sie ist also immer zuverlässig, sie ist immer unpünktlich“ sondern das hat den gleichen Wert wie vorher. 

Gibt es Voraussetzungen, um Konflikte richtig lösen zu können?

Es gibt ein paar Voraussetzungen, die natürlich erfüllt sein sollten, damit ein Konflikt oder eine Verletzung letztendlich gelöst werden kann. Das sind natürlich Dinge, die wir hier im Coaching bei uns direkt herstellen, die aber zu Hause, wenn so etwas spontan oder zwischen Tür und Angel aufkommt, dann meistens nicht so gegeben sind.

Das eine ist zum Beispiel, dass die Ruhe da ist und man Zeit dafür hat. Wenn man hier ins Coaching kommt, dann hat man natürlich einen Zeitplan, anderthalb oder zwei Stunden einen Termin sowie einen geschützten Rahmen. Man nimmt sich Ruhe und man hat die Sicherheit, dass jemand Drittes da ist, der eingreifen würde, wenn es denn zu intensiv wird. Den hat man natürlich zu Hause einfach nicht, deswegen ist einfach der Rahmen zu Hause so wichtig, dass man die Ruhe hat, dass man die Zeit hat, dass vielleicht nicht die Kinderim Kinderzimmer nebenbei noch spielen und jederzeit rauskommen könnten und den Konflikt unterbrechen. Also alle diese ganzen Außeneinflüsse auch einfach nicht da sind, dass der richtige Rahmen geschaffen ist. 

Ich glaube auch wichtig ist, dass beide sich bewusst auch Zeit nehmen dafür. Also dass keiner unter Zeitdruck ist, dass es kein Tür-und-Angel-Gespräch ist, das ist auch mal wichtig. Das das eine bewusste Zeit ist. Im Zweifelsfall verabredet man sich und sagt: „Mensch, ich habe da ein Thema was ich sehr gerne klären möchte. Ich weiß das braucht ein bisschen Raum und Zeit. Wie sieht es heute Abend aus?“. Und das ist wieder das Thema Bereitschaft erfragen, also sind beide bereit von der Zeit her und der innerlichen Verfassung und Haltung her für eine Konfliktlösung? Wenn die innere Haltung nicht stimmig ist, man Stress von der Arbeit noch hat was in einem brodelt, man andere schlechte Nachrichten bekommen hat, man gerade insgesamt einfach nicht gut drauf ist (woran auch immer das liegen mag), dann kann das dazu führen, dass ein Konflikt, der sich eigentlich gut lösen ließe, wenn man die Bereitschaft hätte, die innere Haltung hätte, dann auf einmal nicht lösen lässt. Das heißt auch das beidseitig zu hinterfragen und auch zu sagen, wenn jemand gerade für ein Feedback, für eine Verletzung, die aufgelöst werden soll, für einen Konflikt, eine Diskussion die angestrebt werden müsste, um mal ein Erziehungsthema zu klären, was auch immer gerade vorliegt, wenn dafür nicht Bereitschaft da ist macht es einfach keinen Sinn. Es ist auch nur anstrengend dann, weil letztendlich entsteht dann auch wiederum so eine langfristige Brille. 

Das hatte ich gerade letztens bei einem Paar, die haben auch kaum noch miteinander gesprochen, auch im Guten nicht, weil immer wenn die miteinander gesprochen haben, sind die eigentlich nur aufeinander zugegangen, wenn einer von beiden sich nicht gut fühlte. Sie wussten aber nicht genau, wie man es richtig löst und es ist immer in einem Streit eskaliert, sodass am Ende die Erfahrung entstanden ist: Immer wenn wir miteinander sprechen, endet es in einem Streit, also lassen wir es am besten ganz sein. Und irgendwann entsteht ein kommunikativen Stillstand dadurch. 

Schritt 1: Den Konflikt ansprechen und anerkennen

Zuerst, wenn wir jetzt an die Lebensregeln denken, ist Lebensregel Nummer 9 ganz wichtig: Stelle dich dem Konflikt sozusagen. Die Lebensregel besagt ja: Aussprechen was ist und anerkennen was ist. Also wenn ich eine Verletzung, ein ungutes Gefühl, einen Konflikt mit dem Partner verspüre, ist der erste Schritt, dass ich das anspreche und sage, da ist etwas was bei mir ein gutes Gefühl ausgelöst hat, worüber wir mal sprechen müssten. 

Genau und der nächste Schritt hier wäre, das der andere das anerkennt, also einfach mal zu sagen: „Okay, ja kann ich sehen.“ Also das heißt ja nicht immer, dass ich eine hundertprozentige Zustimmung habe zum Konflikt, aber einfach mal erstmal zu sehen, der andere hat eine Last bei sich. Dieses anerkennen ist immer auf der Gefühlsebene, nie auf der Ebene „wie hat man sich verhalten“, „wie ist das sachlich zu klären“. Sondern es geht um das Gefühl anzuerkennen: Bei dem anderen kann ein ungutes Gefühl entstanden sein, trotz meiner positiven Absicht vielleicht. 

Klar gibt es natürlich noch ein paar allgemeine Aspekte wie z.B. andere Meinungen zu akzeptieren, am Ende natürlich mal für einen Kompromiss bereit zu sein und eine Lösung herbeizuführen, natürlich seine eigenen Emotionen zu reflektieren. Aber im Kern sind es andere Punkte die wichtig sind, um einen Konflikt nachhaltig zu lösen und die vielen gar nicht so bewusst sind. Genau, als ersten Punkt hatten wir jetzt aussprechen was ist und anerkennen.

Schritt 2: An den Punkt zurückgehen, an dem es mal gut war

Dann ist es so, dass gebraucht wird, dass man an den Punkt zurück geht wo es mal gut war. 

Wir können ja mal ein Beispiel nehmen, dann wird es jetzt greifbarer. Also nehmen wir an ein Paar vereinbart, dass der Mann vor der Arbeit noch den Geschirrspüler ausräumt und er schafft es aber nicht, denn er schaut nochmal auf den Terminkalender und sieht: „Oh Mist, ich habe von meiner Sekretärin noch drei Termine reingedrückt bekommen und jetzt brauche ich dringend was zu essen. Ich schaffe mein Mittagessen in der Kantine nicht, wie ich es mir vorgestellt habe, das wird alles zu eng. Ich muss mir jetzt noch was zu essen machen.“ Mit dem Hintergedanken: Schaffe ich das nicht, heute tagsüber was zu essen, bin ich abends total fertig, hab Kopfschmerzen und das fällt am Feierabend auf meine Familie zurück. Also positive Absicht, die er hatte. Er wollte für sich sorgen und sogar für den schönen Feierabend mit der Familie sorgen, dass er noch die Energie hat, dann auch noch gemeinsam was zu erleben. 

Nun sieht die Frau das und das macht bei ihr ein ungutes Gefühl. Anerkennung und Wertschätzung verletzt, Ausgleich von Geben und Nehmen vielleicht verletzt, weil sie hat auch andere wichtige Aufgaben an dem Tag übernommen, auch andere Haushaltsaufgaben. Und sie sagt sich: „Mensch, das kann doch nicht sein, wir haben uns abgesprochen. Wieso macht er das nicht?“ Eine Erwartung wurde also nicht erfüllt. Aber in dem Fall mal eine ausgesprochene Vereinbarung, sogar eine Vereinbarung, was ja auch dann eine Brille formen kann. Es kann sein, dass dadurch der Gedanke entsteht „er ist unzuverlässig“, „er hat keine Lust auf den Haushalt“, „wenn wir etwas absprechen, macht er sowieso nicht“, also da können so viele Dinge draus entstehen, aus einer Kleinigkeit. Gerade wenn es sich irgendwann nochmal wiederholt. 

Das heißt, wenn jetzt die beiden sich das angucken und sagen sie wollen den Konflikt lösen, dann müssten sie erstmal dahin gehen, wo es mal gut war. Das heißt sie müssen mal schauen, ob bevor dieses ungute Gefühl bei der Frau entstanden ist, dass der Geschirrspüler nicht ausgeräumt wurde, ob davor alles gut war. Das kann sein, dass sie dann zu dem Zeitpunkt schon die Brille hat und sagt: „Oh er hat schon wieder nicht den Geschirrspüler ausgeräumt.“

Die erste emotionale Verletzung muss gefunden werden

„Immer wenn, dann…“, „War ja klar, das…“ – wenn das so Signalworte sind, die da sind, dann war es vor dem Geschirrspüler auch noch nicht gut. Dann sind davor schon Verletzungen gewesen, dann hat er vielleicht davor schon mal irgendwas nicht gemacht, was sie vereinbart hatten. Dann muss man auch davor gehen. Ansonsten dreht man sich im Kreis. Das kennt ihr vielleicht, wenn man was anspricht und derjenige sagt „ja stimmt, ich habe den Geschichten nicht ausgeräumt, aber du hast gestern noch nicht gestaubsaugt“ und sie sagt dann „ja, weil du hast davor auch die Betten nicht gemacht, was wir vereinbart hatten“, „ja und du hast da vorhin…“. So dreht man sich rückwärts und rückwärts, bis man zu dem Ergebnis kommt: Wir beide machen eigentlich nie das, was wir uns sagen. Das macht also wenig Sinn. 

Das heißt an dem Punkt zurückgehen, wo es mal gut war. Also wo es beim Thema „Wer macht was im Haushalt?“ oder „Wie werden die Vereinbarungen eingehalten?“ das noch kein Konflikt war, noch kein ungutes Gefühl da war und wo man noch nicht sagen würde, wenn der erste Konflikt entsteht „oh, schon wieder“. Sondern „oh, das hätte ich nicht erwartet, das ist jetzt neu für mich“. Oder wo man sich dann die Frage stellt „warum hat er das denn nicht geschafft, was ist immer dazwischen gekommen“ - also jetzt nicht vorwurfsvoll, sondern das ist eine wertschätzende Art zu fragen.

Vor der ersten emotionalen Verletzung habt man eine positive und ruhige Haltung

Genau das ist der Punkt, warum wir da hingehen wo es mal gut. Da ist meistens noch der Blick dafür da oder die Haltung dafür da zu fragen: Warum kann das passiert sein? Was war seine positive Absicht? Ist irgendwas dazwischengekommen? Also da kann man sich noch ganz viele andere Fragen stellen. Passiert es mehrfach und man ist da schon in seiner vorgefertigten Haltung und Meinung drin, dann ist man wie in so einem Tunnel drin, dann gibt es keine Fragen mehr links und rechts, sondern es ist einfach nur: „Alles klar, wieder unzuverlässig“. Dann sprudeln die Gedanken in eine bestimmte Richtung und am Anfang, wenn das erste Mal passiert ist, dann kann man sich meistens noch andere Fragen stellen und man selber ist natürlich in einer entspannten Haltung. Das ist das erste Mal passiert, man weiß da noch nicht, dass das mehrfach passieren wird und dass sich dann ein gutes Gefühl intensiver aufbauen wird. Das heißt, wenn ich mich in das Gefühl hineinversetzen kann, wie das vor dieser ersten Verletzung war, dann merke ich eigentlich im Regelfall, dass ich eine recht entspannte Haltung habe. 

Schritt 3: Die erste emotionale Verletzung auflösen

Dann ist der nächste Punkt, dass wir gar nicht die Verletzung mit dem Geschirrspüler von heute auflösen, denn das geht nämlich noch gar nicht. Wir müssen die Verletzung auflösen beim ersten Mal, wo er vielleicht gesagt hat er wird bügeln und hat es nicht gemacht und damit ihr nachhaltig gezeigt hat: Ich bin unzuverlässig, wenn es um Haushaltsthemen geht.

Da ist ein erstes ungutes Gefühl vielleicht bei der Frau entstanden und eine erste Brille von Unzuverlässigkeit. Die müssen wir uns ansehen und danach können wir zu den folgenden Verletzungen kommen. Meistens kann man sich sehr gut an diese erste Verletzung erinnern. Das sind nicht immer große Sachen, das ist meistens bei Paaren unserer Erfahrung nach Kleinigkeiten, die im Alltag aufgetreten sind. Da hilft es manchmal, wir im Coaching machen das immer so, dass wir so einen Zeitstrahl aufmalen. Das kann auch mal ganz gute Orientierung bieten, dass man die Verletzung, die jetzt aktuell ist, einträgt und dann mal den Zeitstrahl rückwärts geht und überlegt, was ist da passiert und dann zur ersten Verletzung kommt. 

Das ist auch der Grund, warum man dann vielleicht bei dem Geschirrspüler innerlich oder äußerlich explodiert und man sich fragt: „Mensch es ist nur ein Geschirr, das kostet mich vier oder fünf Minuten meiner Zeit, wenn ich denn jetzt ausräume.“ Warum kommt so eine starke Emotion hoch. Die starke Emotion sind die ganzen Dinge, die vorher alle in den Absprachen nicht geklappt haben, wo sich immer mehr ungute Gefühle in mir aufgestaut haben. Und das kommt dann in diesem einen Moment zum Tragen, wenn vielleicht noch zwei oder drei unglückliche Dinge zusammenkommen. Dann entsteht dieses explodieren oder dieses starke emotionale Gefühl, dieses starke Wutgefühl bei Kleinigkeiten.

Die Konfliktspirale als Auslöser dafür, dass Paare zur Paartherapie kommen

Das ist auch - vielleicht mal so aus dem Nähkästchen geplaudert - auch immer ganz interessant, wenn Paare anrufen. Das sind nämlich häufig so die Punkte, die so das Fass zum Überlaufen bringen. Viele Paare können sich noch daran erinnern, an den Moment, an den letzten Konflikt, der dazu geführt hat, dass sie bei uns anrufen. Und das ist dann, weil jemand in der Küche was nicht weggeräumt hat oder etwas nicht so gemacht hat, wie der andere gedacht hat und dann kam die ganze Wut hoch und dann stellt man alles infrage. Das ist immer finde ich sehr interessant. Wenn man den einzelnen Konflikt betrachten würde, würde man nie sagen, deswegen haben wir jetzt bei der Paartherapie oder beim Paarcoaching angerufen. Da wird jeder sagen: Ja, nur weil du den Obstsalat so schneidest oder den Müll nicht rausgebracht hast, deswegen ist das ja nicht so schlimm. Das hat immer alles eine Geschichte. Das ist die Gefahr, dass daraus halt diese Konfliktspirale entsteht und man irgendwann in das Gefühl gerät: Wenn ich mich mit meinem Partner jetzt schon wegen einem Geschirrspüler so intensiv streite, wie gut kann es zwischen uns eigentlich sein, wie harmonisch läuft das zwischen uns, wie glücklich können wir miteinander sein, wenn so eine Kleinigkeit zu so einem großen Streit führt? 

So kann man eine emotionale Verletzung sprachlich richtig auflösen

Also wir gehen an dem Punkt zurück, wo es mal gut war, und schauen uns die erste Verletzung an. Wir bleiben bei unserem Haushaltsbeispiel, die erste Verletzung war: Ich habe nicht gebügelt, obwohl ich das zugesagt hatte. Wir könnten es einfach durchspielen. Ina ist die verletzte Person und bei dir hat das ein ungutes Gefühl gemacht, was genau machst du?

Ina

Ich würde im ersten Schritt das ansprechen, also aussprechen was ist und das Gespräch suchen. Natürlich erstmal überprüfen, passt der Rahmen, hast du Zeit, ist mit dem Energielevel alles in Ordnung, ist unser Sohn nicht gerade mit im Raum. Dann würde ich ganz konkret sagen, was für ein Gefühl das bei mir gemacht hat. Also nehmen wir mal an, ich sehe beim ersten Mal du hast nicht gebügelt. In dem Moment hat das bei mir Magenschmerzen gemacht. Dann würde ich sagen: 

„Das du nicht gebügelt hast, das hat bei mir Magenschmerzen gemacht, ein Grummeln im Magen.“ 

Für mich ist da ganz wichtig, dass sie jetzt ganz objektiv beschrieben hat, mein Verhalten (ich habe nicht gebügelt, obwohl wir das vereinbart haben - das ist der ganz objektive Anteil) und dass sie dann nur sagt, was für ein Gefühl das bei ihr ausgelöst hat. 

Es wird jetzt gebraucht, dass ich das Gefühl anerkenne, also dass ich sage: 

„Oh, das kann ich mir vorstellen, dass das bei dir Bauchschmerzen gemacht hat. Das tut mir leid, das war nicht meine Absicht, dass du dadurch Bauchschmerzen bekommst.“ 

Florian
Ina

Dann guck ich, was bei mir als nächste Emotionen so hochgekommen ist, also nach den Bauchschmerzen. Das Erste ist immer das Körpergefühl was aufkommt, dagegen können wir uns ja auch nicht wehren. Wir reagieren als Erstes immer körperlich. Dann kommen Wut, Angst, Trauer auf. Nehmen wir mal die Wut, ich bin wütend geworden und ich spüre jetzt noch, wenn ich darüber spreche, ich hab den Konflikt noch nicht mit dir gelöst, spüre ich die Wut und sage:

„Das hat mich wütend gemacht.“

Auch das ist natürlich wieder wichtig, dass ich das sehen kann, dass das bei dir Wut gemacht haben kann. Und das ich sage: 

„Dafür möchte ich Verantwortung übernehmen und die Wut, die bei dir entstanden ist, die kannst du zu mir zurückgeben. Ich will die Wut zurückhaben.“ 

Im besten Fall natürlich, denn wir machen das natürlich jetzt untereinander schon recht verkürzt, aber dass du sagst, dass es nicht deine Absicht, dass das entstanden ist und es dir leid tut, genau.

Florian
Ina
Dann habe ich ja die Wut in mir und ich habe ein Gefühl, jeder kann sich ja Wut gut vorstellen. Ich stell mir bei Wut immer so ein bisschen dieses kräftige vor. Und ich stelle mir immer, wenn ich meine Wut loswerde, vor, wie Florian zum Beispiel hinter so einem Sandsack steht. Ich will ihn ja nicht verletzen, das ist nicht meine Art, ich möchte nur die Wut zurückgeben, aber ich möchte das Gefühl haben, ich bin meine Wut losgeworden. Ich stelle mir einfach vor – innerlich - wie Florian so einen Sandsack festhält und wo ich immer voll draufschlage und mir dem Moment vorstelle, wo ich diese Wut gespürt habe. Und wie ich mir aber auch die Erleichterung danach vorstelle, also mir vorstelle wie dann meine Arme leichter werden, ich tief durchatmen kann und merke: „Das ist jetzt von mir abgefallen.“ 

Genau, also die Wut, die übergeben die Menschen ganz unterschiedlich. Ich würde 2/3 machen das durch Anschreien, aber dann innerlich natürlich. Es wird nicht wirklich geschrien, man stellt sich das innerlich vor, sich das so entladen hat. Andere wiederum packen zu Wut-Pakete und übergeben das dann sozusagen, die Last. 

Das können sich viele - also meiner Erfahrung nach - immer sehr gut vorstellen, wenn man die Wut übergibt in einem Rucksack. Also wenn der Rucksack schwer ist und dann übergeben wird und dass es dann bei einem auf der Seite, wo man den Rucksack vorgetragen hat, dann leicht wird. Wie du schon gesagt hast machen wir das natürlich im Alltag nicht, das ist vor allen Dingen im Coaching so, dass wir so intensiv darüber sprechen, wie man die Wut los wird, damit dieses Gefühl wirklich nachlassen kann und auch nachhaltig weggeht. Wenn hier jetzt im Alltag alles stimmig ist und wir eigentlich keine Verletzungen mehr miteinander haben, dann reicht es aus, wenn ich sage „das tut mir leid, das war nicht meine Absicht“ und dann geht das Gefühl automatisch zurück. Das ist wie Fahrradfahren, am Anfang ist das alles noch ein bisschen ruckelig, man fällt mal hin, man übt nochmal und das ist alles sehr mechanisch, Gleichgewicht halten muss man bewusst machen und irgendwann ist auch das Verletzung auflösen wie Fahrrad fahren: Vollautomatisiert, die Dinge laufen so ab und das funktioniert gut.

Ich glaub auch der große Punkt ist diese Brille. Wenn man alle Verletzungen gelöst hat, dann hat man ja auch keine Brille mehr auf und kann ich das ja auch gleich annehmen. Wenn du dann sagst: „Oh Ina, das war nicht meine Absicht, das tut mir leid.““ dann kann ich das ja auch objektiv annehmen und sagen: „okay, ich glaub dir das, ich nehme das so an.“ Das ist für mich dann auch in Ordnung.

Paar nach einem Konflikt.

Schritt 4: Brillen auflösen und überarbeiten

Dann haben wir noch den letzten Punkt, der gebraucht wird, nämlich dass wir eine neue Brille dann mitgeben. Das heißt, wenn eine Verletzung vorliegt, dann sagt jetzt nicht Ina, was sie sich von mir wünschen würde. Das wird nämlich typischerweise gemacht, dass eigentlich Ina sagt: „Ich wünsche mir, dass du in Zukunft zuverlässig bist und wenn wir vereinbaren, dass du bügelst, dass du auch einhältst“. Also nochmal so einen obendrauf geben, das ist irgendwie doof. Das ist für beide Seiten so belehrend irgendwie. Das heißt, ich habe jetzt gesehen, was ich vorher gar nicht gedacht hätte, dass das bei ihnen Bauchschmerzen macht und Wut erzeugt und dass das bei ihr eine Brille formt, die ich da gar nicht habe bei mir. Also ich selbst habe von mir nicht den Glaubenssatz, dass ich unzuverlässig wäre. Bei Ina entsteht aber jetzt auf einmal die Überzeugung, dass ich irgendwie unzuverlässig bin. Das passt gar nicht zu mir. Von daher gebe ich da einfach mit, mit dem Wissen, dass ist bei dir das Gefühl gemacht hat, werde ich in Zukunft natürlich darauf achten Vereinbarungen einzuhalten, die wir miteinander treffen. Dann geht es natürlich auch, das in Zukunft zu tun. Denn neues Vertrauen entsteht dann durch neues Verhalten. Letztendlich das Misstrauen, was entstanden ist durch diese Unzuverlässigkeit im Gefühl, wir dadurch jetzt auf 0 gesetzt und jetzt kann ich neues Verhalten neues Vertrauen entstehen. Genau, das sind einfach Erfahrungswerte, die man dann sammeln muss, damit sich eine neue Brille bilden kann. 

Ich glaube, das hört sich jetzt vielleicht für euch alles ein bisschen mechanisch an, so eine Verletzung so zu lösen oder ein bisschen kompliziert. Im Alltag ist das wirklich gar kein Problem und man macht das auch in seinen Worten dann. Da groovt man sich dann so ein, dass das dann passend ist. Das fühlt sich nachher wirklich wie eine Erleichterung an, so einen Weg gefunden zu haben, so ein Ritual für sich, um die Verletzung dann aufzulösen. Es geht ja auch viel schneller. Also das was sich jetzt lang anhört ist ja letztendlich gesehen viel effektiver, das so geordnet zu klären, als wenn man da einen großen Streit raus hat. Dann dauert das länger und man hat mehr Gefühle und ist die Last nicht los.

Die Folgen von neuen Verletzungen: Die Rechtfertigung

Noch ein Hinweis und dann fassen wir glaube ich noch einmal ganz kurz zusammen. Also ein Hinweis, was eine neue Verletzung häufig macht, was viele gar nicht glauben, ist eine Rechtfertigung. Also wenn ich dann erkläre, warum ich das gemacht habe, dann macht das häufig eine neue Verletzung.

Stellen wir uns vor, ich würde jetzt noch sagen: „Es tut mir leid, das war nicht meine Absicht bei dir das Gefühl zu machen. Das war so: Als ich bügeln wollte, da hat jemand von der Arbeit angerufen und ich musste diesen Anruf unbedingt annehmen. Das war total wichtig.“ Zack, neue Verletzungen bei Ina. Prioritäten, der von der Arbeit ist wichtiger als meine Vereinbarung. Ina geht es gar nicht um das Bügeln, im Vergleich zu dem Anruf, sondern für Ina geht es dann um die Zusage, wir haben eine Vereinbarung getroffen. Kinder machen das noch viel deutlicher, bei Kindern ist alles ein Versprechen. „Ich habe ihr versprochen, ich mach das“ und mein Versprechen ist für Ina wichtiger, als wenn irgendwer anruft, der vorher gar nicht relevant war. Daher kommt das. Also eine Rechtfertigung macht häufig eine neue Verletzung. Es geht eher immer darum beim anderen das Gefühl anzuerkennen. 

Die Zusammenfassung: Emotionale Verletzungen lösen im Überblick

Das heißt, was sind die Schritte?

  • Schritt 1: Wir gucken, ob es vor der Verletzung, die gerade da war, wirklich gut war. 
  • Schritt 2: Wenn nicht, gehen wir an den Punkt zurück, wo es mal gut war. 
  • Schritt 3: Dann sprechen wir an, welches Verhalten des anderen hat bei mir welches Körpergefühl ausgelöst? Bauchschmerzen, Zittern, Herzklopfen, mir wird heiß… Es gilt das denn anzuerkennen, dass der andere sagt: „Ja, das kann ich sehen, das tut mir leid und das war nicht meine Absicht dieses Gefühl bei dir zu machen.“ Das isr das anerkennen. Wenn man möchte, kann man dann noch den Schritt gehen und innerlich die Wut zurückgeben, die dabei entstanden ist. Oder auch andere Emotionen, es kann ja auch Traurigkeit sein (wobei Traurigkeit anders verarbeitet wird - bei Traurigkeit sind die beiden dann im besten Fall zusammen traurig, das heißt umarmen sich vielleicht, und sagen: “Mensch, das macht uns beide traurig, dass das gewesen ist“).
  • Schritt 4: Dann gilt es, dass derjenige, der die Verletzung verursacht hat, eine neue Brille mitgibt. Also das heißt, er sagt, wie er mit Wissen, dass es das Gefühl auslöst, was nicht seine Absicht war, sich anders verhalten hätte und damit natürlich auch in der Zukunft anders verhalten wird. So lässt sich die Verletzung nachhaltig lösen. 
Junges Paar in der Krise

Unser Fazit

Wir haben es jetzt in knapp 25 Minuten erklärt und vielleicht habt ihr noch Detailfragen dazu. Aber am Ende ist es so, dass kleien Verletzungen sich damit binnen kürzester Zeit (z.B. in drei bis vier Minuten) wunderbar lösen lassen und wenn es komplexe Dinge sind, lassen die sich vielleicht auch mit ein bisschen mehr Zeit gut lösen. Allerdings muss man sagen, es gibt fast kein Konflikt, der sich nicht lösen lässt. 

Ich glaube man muss auch einfach für sich da mal ehrlich sein und fragen: Kriegen wir das zu zweit hin oder brauchen wir jemanden, der das nochmal unterstützt und der uns den geschützten Rahmen vielleicht nochmal gibt zum Gespräch? Aber es ist ja immer so, wenn man erstmal zuhause ist. Ich hab immer das Gefühl, manchen Paaren tut das richtig gut, weil die haben sich einen Babysitter organisiert, die sind hierhergekommen, die verbinden das manchmal auch vielleicht noch mit einer anderen Sache, dass sie danach nochmal eine Runde spazieren gehen oder so, je nachdem wie das Gefühl dazu ist. Aber diesen geschützten Rahmen, den darf man nicht unterschätzen. Und einfach auch die Zeit, die man da hat, gerade für starke Konflikte. Vielleicht auch den Stein ins Rollen zu bringen, um die Technik nochmal zu erlernen. 

Letztens hat ein Paar das mit einem Personal Trainer und dem Sport verglichen. Die haben gesagt, sie e hätten zwar in der Woche Zeit miteinander zu reden, auch wenn sie zwei Kinder haben, sie nehmen sich die Zeit aber einfach nicht. Und wenn sie einen Termin mit mir haben, dann halten sie ihn halt einfach ein, denn sie haben ja einen Termin. Und dann sind die zwei Stunden im Kalender fest geblockt. Könnten die beiden natürlich auch ohne mich machen, sich einfach mal zwei Stunden im Kalender blocken. Das ist auch die Empfehlung, das mal zu tun. Auch wenn das unromantisch wirkt, sich dafür den Termin zu blocken. Aber wenn beide berufstätig sind und man zwei Kinder hat, dann macht es vielleicht doch Sinn das zu tun, wenn man merkt, man kriegt es sonst nicht hin.Und das haben sich verglichen wie mit einem Personal Trainer. Man kennt das ja, man ist häufig im Fitnessstudio angemeldet und geht einfach nicht hin, denn man hat keine Verpflichtungen, außer die 19-29€ oder was auch immer man zahlt. Aber hätte man einen festen Termin, jemand wartet da im Trainingsanzug auf einen, lässt man das nicht sausen. Dann hat man eine ganz andere Verpflichtung, die man eingegangen ist.

Das zum Thema „Konflikt nachhaltig lösen“. So lösen wir bei uns für Coaching die Konflikte und so würden wir auch euch empfehlen, Konflikte zu lösen. Das ist die für uns nachhaltigste Methode, um wirklich dafür zu sorgen, das ungute Gefühle, die sonst in einem Schlummern und zurückbleiben und irgendwann in so einem Rundumschlag explodieren, wirklich weg sind. Hört euch das sonst noch ein zweites Mal an, geht auf unsere Website, schaut euch das „Konflikte lösen“-Thema mal genauer an. Bei YouTube werden wir das Ganze vertiefen. Also befasst euch da gerne näher mit, das ist super hilfreich und nochmal in Nuancen so anders, aber so hilfreich. Absolut gut. Wir hoffen, ihr konntet einige Impulse mitnehmen und freuen uns auf den nächsten Podcast. Genau, bis bald!

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